EU-Kommission: Sanierungspaket für IKB genehmigt
zuletzt aktualisiert: 21.10.2008 - 18:23Straßburg (RPO). Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB erhält einneun Milliarden Euro schweres Sanierungspaket. Das hat die EU-Kommission am Dienstag genehmigt. Die Liquiditätsspritzen der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie der mit Unterstützung privater Banken aufgespannte Risikoschirm seien mit dem EU-Beihilferecht vereinbar, entschied die EU-Kommission in Straßburg. Damit kann die bereits im August verkündete Übernahme durch den Finanzinvestor Lone Star über die Bühne gehen.
Angesichts der geplanten Verkleinerung der IKB auf ihr Kerngeschäft sei zu erwarten, dass mögliche Wettbewerbsverfälschungen durch die staatlichen Beihilfen "so gering wie möglich gehalten werden", erklärte die EU-Kommission am Dienstag. Die Mittelstandsbank selbst sprach von einer Genehmigung unter "strengen Auflagen".
Das Geschäftsfeld Immobilienfinanzierung muss das Düsseldorfer Geldinstitut demnach ebenso aufgeben wie einige ausländische Standorte. Mit der Genehmigung der Beihilfen kann die bereits im August verkündete Übernahme durch den Finanzinvestor Lone Star nun über die Bühne gehen.
Die gebilligte Rettungsmaßnahme ermögliche den Fortbestand der Bank, sagte IKB-Chef Günther Bräunig. "Unsere Kunden und auch wir erhalten damit Rechtssicherheit", fügte er hinzu. Künftig wird sich die IKB eigenen Angaben zufolge auf die verbliebenen Kerngeschäftsfelder Strukturierte Finanzierung und Firmenkunden Inland konzentrieren.
Knapp 300 Mitarbeiter seien von der Reduzierung der Geschäftsaktivitäten direkt betroffen. Soweit es zu Personalabbau komme, sollte dieser sozialverträglich gestaltet sein, erklärte das Institut.
EU sieht Chancen für rentables Geschäft
Die Kommission sieht die Zukunft der IKB nach dem genehmigten Rettungspaket, das von der Staatsbank KfW und privaten Banken geschulter wird, offenbar gesichert. Die Rentabilität der IKB könne durch den von den deutschen Behörden vorgelegten Umstrukturierungsplan langfristig wiederhergestellt werden, erklärte die Kommission.
Die einst solide Mittelstandsbank IKB war im Juli 2007 als erste deutsche Bank in den Sog der US-Immobilienkrise geraten. Sie hatte sich mit Ramschhypotheken massiv verspekuliert und konnte seitdem nur mit rund zehn Milliarden Euro an öffentlichen Geldern vor der Pleite bewahrt werden. Nach monatelangen Verhandlungen ging das Institut im August für nur gut 100 Millionen Euro an den US-Investor Lone Star. Die Großaktionärin KfW, die durch ihr Engagement selbst in tiefrote Zahlen gerutscht war, hatte nach Ausbruch der Krise den Notverkauf der Bank eingeleitet.
Angesichts der anhaltenden Finanzmarktkrise steckte die IKB auch in den ersten drei Monaten des neues Geschäftsjahres noch tief in der Verlustzone. Von April bis Ende Juni weitete sich der Fehlbetrag nach eigenen Angaben auf 540 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 502 Millionen Euro. Für die notwendige Refinanzierung der Bank machte der IKB-Vorstand vor allem eine Normalisierung der Kapitalmärkte und die Wiederherstellung des Vertrauens in die Banken zur Voraussetzung.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
