Spanische Großbank übernimmt Filialen: Santander kauft Privatkundengeschäft der SEB
zuletzt aktualisiert: 12.07.2010 - 16:27Mönchengladbach (RPO). Die spanische Großbank Santander schluckt das deutsche Privatkundengeschäft der schwedischen Konkurrentin SEB. Santander, die in Deutschland vor allem im Geschäft mit Verbraucherkrediten stark ist, verdopple durch die Übernahme die Zahl ihrer Filialen auf rund 350, wie das Unternehmen am Montag in Frankfurt am Main mitteilte. Die Gewerkschaft Verdi warf dem SEB-Management Versagen vor.
Der Kaufpreis für das Privatkundengeschäft der SEB beläuft sich auf 555 Millionen Euro, wie die Finanzinstitute mitteilten. Die SEB betreut in Deutschland nach eigenen Angaben eine Million Kunden. Der Verkauf umfasst demnach alle 173 Filialen und rund 2000 Beschäftigte. Die Santander-Bank hat in Deutschland sechs Millionen Privatkunden und 176 Filialen. Der deutsche Markt sei einer der Kernmärkte für Santander, begründete Bank-Chef Emilio Botín den Kauf.
Für die SEB-Kunden ändere sich durch den Verkauf "zunächst nichts", erklärte SEB-Chef Jan Sinclair. Auch für die Beschäftigten sei mit dem Verkauf "die beste Lösung" gefunden worden. Der Belegschaft erhalte durch die Eingliederung "in einen führenden internationalen Finanzkonzern gute berufliche Perspektiven".
An der Übernahme der SEB war in den vergangenen Monaten Berichten zufolge auch die italienische HypoVereinsbank-Mutter Unicredit interessiert. Die spanische Santander ging demnach als Sieger aus einem Bieterwettstreit hervor. Der spanische Finanzkonzern bot für die Übernahme des Deutschlandgeschäfts der SEB offenbar mehr Geld.
Verdi-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong kritisierte, "der SEB fehlte ein Geschäftsmodell für das Privatkundengeschäft hierzulande". Auch habe es nötige Investitionen nicht gegeben, die der SEB ein Überleben auf dem deutschen Markt ermöglicht hätte. Deswegen sei zu hoffen, dass Santander nun "die richtigen Weichen stellt", erklärte Foullong.
Der Gewerkschafter warnte davor, den Verkauf des SEB-Privatkundengeschäftes auf dem Rücken der Beschäftigten abzuwickeln. "Derzeit ist noch vollkommen unklar, was der Verkauf für die betroffenen Beschäftigten bedeutet", erklärte Foullong. Für die Beschäftigten habe es im Vorfeld des Geschäfts keinerlei Informationen über das Konzept Santanders gegeben. Die spanische Großbank sei in der Vergangenheit aber durch eine Geschäftspolitik aufgefallen, die "wenig Rücksicht auf die Interessen der Beschäftigten" genommen habe.
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