Tausende Demo-Teilnehmer: Schaeffler-Mitarbeiter bejubeln Konzernchefin
zuletzt aktualisiert: 18.02.2009 - 18:55Herzogenaurach (RPO). Rund 8000 Menschen haben in Herzogenaurach für staatliche Hilfen für den angeschlagenen Autozulieferer Schaeffler demonstriert. Vor dem Werkstor jubelten Kundgebungsteilnehmer der Konzernchefin Maria-Elisabeth Schaeffler zu. Die in der Öffentlichkeit vielfach kritisierte Schaeffler reagierte zu Tränen gerührt und lief am Schluss des Demonstrationszuges mit, ohne das Wort zu ergreifen.
Der Familienkonzern hatte den größeren Konkurrenten Continental auf Pump übernommen und sucht jetzt händeringend einen Investor. Zur Überbrückung hat die Konzernchefin den Bund um Hilfe gebeten.
Betriebsratschef Thomas Mölkner forderte auf der Kundgebung unter tosendem Applaus: "Wir brauchen die Staatshilfe, damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben." Die Finanzspritze des Bundes müsse aber an eine Beschäftigungsgarantie für die 80.000 Mitarbeiter in Deutschland geknüpft werden. Außerdem müsse das Unternehmen endlich transparenter werden und sagen, was "eigentlich los ist".
Als sich die Demonstranten vor dem Werkstor versammelten, kam überraschend auch Maria-Elisabeth Schaeffler dazu. Strahlend und sichtlich gerührt winkte sie den Beschäftigten zu, die ihr zujubelten. Zusammen mit ihrem Sohn Georg schloss sie sich dann der Demonstration an.
Drittgrößter Arbeitgeber Bayerns
"Schaeffler ist nach Siemens und BMW der drittgrößte Arbeitgeber in Bayern", sagte Mölkner. Wenn das Unternehmen Pleite gehe, sei nicht nur die Region betroffen. Bürgermeister German Hacker sagte, die Übernahme von Conti im Sommer 2008 sei strategisch richtig gewesen, aber zur Unzeit erfolgt. Schaeffler sei aber ein "kerngesundes", zukunftsfähiges Unternehmen.
Schaeffler hatte Conti für rund zehn Milliarden Euro übernommen, kann nach Angaben der IG Metall inzwischen die monatlich 70 Millionen Euro Zinsen für die Bankkredite jedoch kaum noch bezahlen. Wenn nicht in wenigen Monate neues Kapital in das Unternehmen fließe, drohe die Insolvenz.
Frühere Finanzchefin zurück
Der Konzern holte nun seine ehemalige Finanzchefin Mary Jo Gresens als Beraterin zurück. Gresens arbeite bereits an Konzepten für die Zusammenarbeit des Kugellagerkonzerns mit der übernommenen Continental AG, bestätigten Unternehmenskreise einen Bericht des "Manager-Magazins".
Meldungen, wonach der jetzige Finanzvorstand Thomas Hetman Schaeffler verlässt, wollte das Unternehmen nicht kommentieren. Hetman müsse den hoch verschuldeten Konzern auf Druck der Banken verlassen, berichtete die "Financial Times Deutschland". Die Banken hätten auch Wirtschaftsprüfer in das Unternehmen geschickt, um sich ein unabhängiges Bild von der finanziellen Lage zu machen. Als letzte Option stehe die Umwandlung ihrer offenen Forderungen in Gesellschafteranteile und damit die Übernahme der Kontrolle durch die Banken im Raum.
Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer forderte die Bundesregierung auf, Schaeffler rasch zu helfen, damit später ein privater Investor ins Boot geholt werden könne. Betriebsräte von Schaeffler-Konkurrenten befürchteten zwar Wettbewerbsverzerrungen, sagte Neugebauer im Bayerischen Rundfunk. Aber ihm gehe es um die 80.000 Arbeitsplätze in Deutschland.
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