Übernahmeschlacht um Conti: Schaeffler stockt Angebot auf
zuletzt aktualisiert: 21.07.2008 - 20:05Herzogenaurach (RPO). Die Schaeffler-Gruppe hat ihr Angebot für die Continental leicht erhöht: Das Unternehmen bietet jetzt 70,12 Euro pro Conti-Aktie. Das geht aus einer Pflichtmitteilung der Schaeffler-Gruppe für die Börse hervor.
Vor einer Woche hatte der Konzern sein Angebot noch mit mindestens 69,73 Euro beziffert und angegeben, man werde - falls höher - den von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ermittelten Mindestpreis zahlen. "Wir konnten diese Berechnungen der Bafin nicht vorweg nehmen", sagte Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck der AP. Er betonte, bei den 70,12 Euro pro Aktie handele es sich nicht um ein neues Angebot. "Wir werden dies zahlen, und dabei bleibt es", sagte er.
Derweil mehren sich die Spekualtionen um die Zukunft von Continental-Chef Manfred Wennemer. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, Wennemer wolle seinen Posten zu Verfügung stellen, wenn es zu keiner einvernehmlichen Lösung mit der Schaeffler-Gruppe komme. Wennemer lehnt eine Übernahme ab und bietet dem Familienunternehmen eine Beteiligung von 20 Prozent.
Conti-Aufsichtsrat tagt am Montag
Am Mittwoch findet eine Aufsichtsrats-Sondersitzung zum Übernahmeangebot statt. Continental wies Berichte über Rücktrittsdrohungen Wennemers allerdings klar zurück. Es handele sich "um absolut haltlose Spekulationen", sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Hannover. Die Gerüchte hätten "nur das Ziel, Verunsicherung hervorzurufen und Zwietracht zu säen".
Der Aufsichtsrat von Continental will am Mittwoch ab 13.00 Uhr über das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe von rund 11 Milliarden Euro beraten. Wennemer hatte das Angebot vergangene Woche strikt zurückgewiesen und es "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" bezeichnet.
Vorsichtiger äußerte sich zuletzt dagegen Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg. Er will erst nach Abschluss des Meinungsbildungsprozess des Kontrollgremiums zu der Offerte Stellung nehmen. Nach verschiedenen Medienberichten soll er dem Angebot nicht völlig ablehnend gegenüber stehen.
Wulff trifft Spitze der Schaeffler-Gruppe
Unterdessen bestätigte die niedersächsische Staatskanzlei, dass Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mit Maria-Elisabeth Schaeffler und dem Geschäftsführer ihrer Gruppe, Jürgen Geißinger, zusammengetroffen ist. Das zweistündige Gespräch habe bereits in der vergangenen Woche stattgefunden, hieß es.
Zu Ergebnissen des Treffens wollte sich Regierungssprecherin Nina Hacker nicht äußern. "Wir betrachten die Entwicklung um Conti weiter mit Sorge und messen alles daran, dass Continental ein DAX-Konzern mit Sitz in Hannover bleibt, dass die Arbeitsplätze gesichert sind und das Unternehmen nicht zerschlagen wird", sagte sie lediglich.
Arbeitnehmervertreter wollen Garantien
Auch der Vorsitzende des Conti-Konzernbetriebsrates, Bruno Hickert, betonte, man wolle Arbeitsplätze, Standorte und Mitbestimmungsrechte erhalten. "Bei der Eigentümerstruktur werden wir ja nicht gefragt", sagte er der AP.
Eine Zusammenarbeit von Schaeffler und Continental könne grundsätzlich sinnvoll sein, sagte eine Sprecherin des IG-Metall-Bezirks in Hannover. Allerdings müssten Arbeitsplätze und Mitbestimmung bei Conti gesichert sein. "Es besteht weiter die Gefahr, dass zur Finanzierung der Übernahmen Unternehmensteile verkauft werden", sagte die Sprecherin.
Unterdessen prüft die Finanzdienstleistungsaufsicht weiter die Optionsgeschäfte, mit denen sich Schaeffler den Zugriff auf bis zu 36 Prozent der Conti-Anteile gesichert hat. Die Optionsgeschäfte würden in vollem Umfang untersucht, aber nicht gestoppt. "Das Übernahmeverfahren läuft normal weiter", sagte eine Bafin-Sprecherin.
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