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Dringend Kapital benötigt: Schaeffler verhebt sich mit Conti-Übernahme

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 12.12.2008 - 14:43

Düsseldorf (RPO). Der fränkische Familienkonzern Schaeffler hat sich mit der Übernahme des Autozulieferers Continental offenbar verhoben. Das Unternehmen benötigt offenbar dringend eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe. Dabei gilt Schaeffler schon jetzt als überschuldet. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht für den Fall einer Pleite der US-Autobauer existentielle Probleme auf Schaeffler und Continental zukommen.

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Es war eine der spektakulärsten Übernahmeschlachten des Jahres: Schaeffler wollte den Dax-Konzern Continental übernehmen. Doch die Hannoveraner wehrten sich mit Händen und Füßen, suchten nach einem Weißen Ritter, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben. Eine bedingungslose Kapitulation war es aber nicht, weswegen sich die vollständige Übernahme von Conti für Schaeffler offenbar als sehr schwierig und kostenintentsiv erweist.

Nun gerät das Unternehmen selbst in eine Schieflage und braucht einem Medienbericht zufolge kurzfristig eine Eigenkapitalzufuhr in Höhe von vier bis sieben Milliarden Euro. Diese Zahlen seien von einer Investmentbank ermittelt und am Mittwoch auf der Continental-Aufsichtsratssitzung präsentiert wurde, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Kreise des Kontrollgremiums.

Nach Schätzung der Banker liegt die Nettoverschuldung Schaefflers mit derzeit elf Milliarden Euro sechsmal so hoch wie das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), wie es in dem Bericht hieß. Üblicherweise gelte bereits ein 3:1-Verhältnis von Nettoverschuldung zu Ebitda als kritisch. Deshalb übten die Banken starken Druck auf Schaeffler aus, die Schuldenlast zu senken, hieß es laut dem Blatt am Mittwoch in der Conti-Aufsichtsratssitzung. Schaeffler lehnte der Zeitung gegenüber einen Kommentar ab.

Gefahr durch Konjunktur und US-Geschäft

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnte unterdessen vor den Folgen der Rezession. Deutsche Zulieferer mit Amerika-Geschäft sieht er in größter Gefahr: "Wer in den USA stärker im Geschäft ist, wird bluten müssen." Continental sei sehr sensibel aufgestellt, und auch bei Schaeffler sei die Kapitaldecke auch durch Übernahmen "unendlich dünn geworden". Beide suchten verzweifelt nach Investoren.

Die Lage in den USA ist von existentieller Bedeutung für die deutschen Zulieferer. "Ganz klar: Wenn jetzt GM und Chrysler stürzen, wackelt auch Conti", sagte Dudenhöffer. Continental/Schaeffler würden eine Pleite von GM und Chrysler nicht überleben, ist er sich sicher. Das wiederum hätte ein Erdbeben im gesamten deutschen Autobau ausgelöst. "Ohne die Teile von Conti, Delphi oder Bosch wird in Deutschland ja kein Auto mehr gebaut", so Dudenhöffer.

Übernahme wird schwieriger

Die Lage auf den Automobil- und Finanzmärkten nimmt derzeit beide Unternehmen in Anspruch. Vor allem Schaeffler dürfte die geplante Übernahme von Continental nicht ohne weiteres gelingen. Die Franken hatten noch im Spätsommer 75 Euro pro Conti-Aktie geboten, inzwischen liegt der Kurs jedoch bei der Hälfte. Sollte die EU-Kommission die Übernahme bis zum 19. Dezember genehmigen, wäre spätestens acht Bankarbeitstage später der Kaufpreis fällig.

Immerhin haben über 90 Prozent der Conti-Aktionäre Schaeffler ihre Anteilsscheine angedient. Erst dann müssen die Kredite abgerufen werden. Rund 40 Prozent der Conti-Anteile muss dass Familienunternehmen aber nach einer mit dem Conti-Management geschlossenen Vereinbarung nach dem Kauf wieder abgeben.

Am Freitag sagte ein Schaeffler-Sprecher zu "Dow Jones Newswires", dass die Transaktion nicht gefährdet sei und die Finanzierung stehe. "Dies sind herausfordernde Zeiten, aber wir werden unsere Pläne umsetzen", wurde der Sprecher zitiert.  

Suche nach Plan B

Die Schaeffler-Gruppe erwägt nach der Übernahme, die Zulieferbereiche beider Unternehmen zu vereinigen. "Die Automotivbereiche von Conti und Schaeffler zusammenzuführen, ist grundsätzlich eine interessanten Idee", sagte am Donnerstag in Herzogenaurach ein Sprecher des Unternehmens. Allerdings sei die Entscheidung, "ob und wie das geschieht Sache von Schaeffler", betonte der Sprecher.

Continental prüft angeblich ein ähnliches Angebot an den neuen Großaktionär und dessen Kreditbanken. Wie die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag ohne Quellenangabe berichtete, soll Schaefflers Automobilgeschäft bei Conti eingegliedert werden. Die Idee sei am Mittwoch im Conti-Aufsichtsrat diskutiert worden.

Ein solcher Schritt würde den Wert von Conti steigern. So könne leichter ein Investor gefunden werden, der Schaefflers überschüssige Conti-Papiere abkaufe, schreibt das Blatt. Schaeffler bliebe nur das Wälz- und Kugellagergeschäft. Ein Continental-Sprecher wollte den Bericht am Morgen nicht kommentieren.

"Conti sieht sich in einer gestärkten Situation gegenüber Schaeffler", sei aus dem Umfeld des Konzerns zu hören gewesen. Unklar sei allerdings auch, wie Conti einen solchen Deal finanzieren könne. Denn die Hannoveraner sind nach der VDO-Übernahme ebenfalls erheblich verschuldet, wollen nun sogar die Dividende streichen.

Conti sucht Refinanzierungsmöglichkeiten

 Auch Continental verhandelt derzeit laut einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Freitag mit Banken über neue Kredit-Konditionen. Dadurch solle einer möglichen Vertragsverletzung bei ihren VDO-Krediten vorgebeugt werden. Informanten sagten der Zeitung, Continental führe Vorgespräche mit den Banken über Kredite im Gesamtvolumen von elf Milliarden Euro, die zur Übernahme der ehemaligen Siemens-Sparte VDO im vergangenen Jahr aufgenommen worden waren. Conti sei dem Bericht zufolge auch bereit, mehr für die Kredite zu bezahlen. Unklar sei, mit welchen Banken Conti verhandelt.


 
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