Arcandor-Großaktionärin: Schickedanz sieht Erbe in Gefahr
zuletzt aktualisiert: 14.06.2009 - 14:17Frankfurt/Main (RPO). Die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor hat Großaktionärin Madeleine Schickedanz gesundheitlich schwer mitgenommen. Ihr Mann, Leo Herl, trat in einem Interview zugleich Vorwürfen entgegen, seine Frau habe sich verzockt und sich zu wenig um den Konzern gekümmert.
Die 65 Jahre alte Quelle-Erbin musste am Montag - einen Tag vor der Arcandor-Insolvenz - mit akuten Herzproblemen in eine Schweizer Klinik eingeliefert werden und dort auf der Intensivstation behandelt werden.
"Meine Frau macht sich Sorgen, dass sie möglicherweise alles verlieren könnte, was ihre Eltern in harter Arbeit aufgebaut haben", sagte Herl der "Bild am Sonntag". Schickedanz - mit 29 Prozent an Arcandor beteiligt - habe seit 2004 immer wieder Kapital nachgeschossen, insgesamt habe sie einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in die Firma gesteckt.
Gesamtes Schickedanz-Vermögen steckt in Arcandor-Aktien
Das gesamte Vermögen seiner Frau stecke in dem Arcandor-Aktienpaket. "Das macht man sicher nicht, wenn einem die Zukunft dieser Firma egal ist", sagte Herl. Seine Frau leide in der Krise wie jede Verkäuferin oder jeder Sachbearbeiter bei Karstadt oder Quelle.
"Wir haben die Probleme gesehen und glaubten an eine Strategie, wie wir Arcandor aus der Krise führen können", sagte er weiter. Und trotz der gegenwärtigen Situation sei er noch immer überzeugt, dass Quelle auf einem guten Weg sei, der Reiseveranstalter Thomas Cook eine Perle und die Kaufhäuser mit einem neuen Konzept eine Zukunft hätten. Kommende Woche soll es eine Aufsichtsratssitzung und erste Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geben.
"Wir bleiben an Bord", versicherte Herl und betonte, dass man eine Zerschlagung des Konzerns verhindern wolle. Seine Frau, die sich weiter in intensiver ärztlicher Behandlung befinde, werde zu ihren Mitarbeitern sprechen, sobald sie dazu gesundheitlich in der Lage sei, versprach er außerdem.
Müntefering kritisiert mangelndes Engagement
Am Mittwoch hatte Schickedanz eine persönliche Erklärung zur Insolvenz der Arcandor verbreitet, in der sie mitteilte: "Bis zur letzten Sekunde habe ich gehofft und gebangt, um dieses Schicksal abzuwenden." Darin machte die einstige Multimilliardärin klar, dass sie sich mit ihrem "gesamten Vermögen engagiert" habe, um die Schieflage des Unternehmens mit 43.000 Mitarbeitern zu überwinden.
Dagegen erklärte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering in den "Ruhr Nachrichten", staatliche Hilfe für Arcandor wäre nur bei angemessenem Engagement der Besitzer und Banken möglich gewesen. "Dazu waren die aber nicht bereit. Deshalb konnte es nur die zweitbeste Lösung geben", sagte Müntefering.
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