Kult-Wäschehersteller in der Krise: Schiesser soll mit kleinerem Sortiment überleben
zuletzt aktualisiert: 28.03.2009 - 11:48Düsseldorf (RPO). Der Insolvenzverwalter des traditionsreichen Wäscheherstellers Schiesser will bis Ende April ein Sanierungskonzept vorlegen. Volker Grub geht nach eigenen Worten davon aus, dass die Firma dank einer Finanzsprite von Banken und einem kleineren Sortiment überleben kann.
"Das Wichtigste, woran wir arbeiten, ist ein Sanierungskonzept. Es soll bis Ende April fertig sein", sagte Grub der "Wirtschaftswoche" ."Schiesser muss sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen", sagte der Jurist. Dafür sieht er Schiesser auf einem guten Weg.
Im Februar sei der Umsatz um 20 Prozent gesteigert worden, auch im März liege man über Plan. Nach seiner Einschätzung war der Hauptfehler, die Produktion auf andere Marken auszuweiten. "Dadurch hat sich die Artikelzahl auf über 100.000 verfünffacht.
Nach seinen Worten beschloss der Vorstand schon Anfang des Jahres, die die Lizenzfertigung bis auf die Marken Seidensticker und Strellson auslaufen lassen.
Banken geben 2 Millionen Euro im Monat
Die Liquidität sieht Grub gesichert. "Mit Banken haben wir eine wichtige Kapitalspritze von rund 2 Millionen Euro pro Monat vereinbart. Außerdem haben wir eine Fülle von Lieferantengesprächen geführt und die Lieferungen wieder sichergestellt."
Die traditionsreiche Schiesser AG aus Radolfzell am Bodensee meldete im Februar Insolvenz an, weil Kredite für dieses Jahr nicht sichergestellt werden konnten.
Das Unternehmen ist eine Tochter der Schweizer Schiesser Group AG mit 2.300 Mitarbeitern und hat selbst vier Tochtergesellschaften in Deutschland und neun weitere Töchter im europäischen Ausland. Schiesser ist auf hochwertige Tag- und Nachtwäsche und Bademoden sowie Sportwäsche spezialisiert und erwirtschaftete 2008 nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro.
Die Firmengeschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück: 1875 begann der Schweizer Unternehmen Jacques Schiesser die Produktion in einem angemieteten Tanzsaal in einem Radolfzeller Gasthaus. Im 20. Jahrhundert wuchs das Unternehmen trotz Rückschlägen und beschäftigte 1960 die Rekordzahl von 3.500 Mitarbeitern.
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