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HRE-Krise spitzt sich zu: "Schlimmer als Lehman"

zuletzt aktualisiert: 20.02.2009 - 14:12

Hannover (RPO). Dem Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) geht es offenbar schlechter als bisher angenommen. Nach einem Medienbericht hat das Unternehmen bislang mehr als eine Billion Euro verliehen, die es sich selbst auf dem Kapitalmarkt geborgt hat und mit Krediten zurückzahlen muss. Die Bank wies den Bericht später als Fehlinterpretation zurück.

Der Umsatz sei offiziell stets mit 400 Milliarden Euro angegeben worden, berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Freitag. Hinzu rechnet das Blatt jedoch noch weitere Geschäfte, die außerhalb der Bilanz und zum Teil hoch spekulativ gewesen sein sollen.

"Vor einem Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir es mit einer solchen Dimension zu tun bekommen könnten", sagte der Finanzexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Jochen-Konrad Fromme (CDU) dem Blatt. "Wir stecken in höllischen Verträgen", warnt der Politiker. Wenn der Staat nicht umgehend einsteige, könnten die Folgen für den internationalen Finanzmarkt schlimmer sein als beim Zusammenbruch von Lehman Brothers. Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die Fromme anspricht, hatte im vergangenen Herbst die internationale Finanzkrise ausgelöst.

Blasser Hoffnungsschimmer

Eine gewisse Zuversicht schöpft Fromme aus der Erkenntnis, dass zwar die Refinanzierung schwierig sei, es aber im Kern nicht um "faule Kredite" geht. Noch fehle der exakte Überblick, aber mit einem großen Teil seien seriöse Projekte wie etwa Hochhäuser finanziert worden: "Die Kredite werden seriös bedient. Das Problem bleibt aber die Refinanzierung." Umso wichtiger sei es nunmehr, dass der Bund schnell an Handlungsfreiheit gewinne.

Die Hypo Real weist die Darstellung, sie habe Refinanzierungsbedarf in Höhe von einer Billion Euro später zurück. Dies sei eine Falschinterpretation der Sachlage, erklärte der MDAX-Konzern am Freitag. Die HRE verfüge zwar über Derivate mit einem Nominalvolumen in der genannten Größenordnung. Doch müsse nur der Marktwert in der Bilanz verbucht werden, nicht das dahinterliegende Nominalvolumen.

Derweil bemüht sich der Bund um eine Übernahme der Aktienmehrheit bei der Hypo Real Estate. Große Anteile hält der amerikanische Groß-Investor J. C. Flowers. Zusammen mit einem verbündeten Hedge-Fonds besitzt er 24,9 Prozent der Anteile und damit eine Sperrminorität.

Flowers will jedoch offenbar nicht ohne weiteres verkaufen. "Unsere Präferenz ist, unser Engagement bei der Hypo Real Estate weiterzuführen", sagte Christopher Flowers der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" laut Vorabbericht. Die Gründe für diese Haltung liegen auf der Hand. Flowers war im Juni 2008 eingestiegen. Damals kostete die HRE-Aktie 22,50 Euro. Am Donnestag ging sie mit 1,64 Euro aus dem Handel. Auch wenn der Bund drängt: Wer realisisert schon gerne Verluste in Milliardenhöhe?

Feilschen um den Aktienpreis

Von der Bundesregierung verlangt Flowers im Falle des Ausstiegs aus der HRE eine Entschädigung, die sich an dem Aktienkurs orientieren sollte, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar gegolten habe. "Hier sprechen wir über knapp drei Euro pro Aktie", sagte er.

Flowers bot der Bundesregierung Gespräche über die Zukunft der überschuldeten Bank an. In einem Schreiben an die Staatssekretäre der beteiligten Ministerien in Berlin und an den Chef des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) zeigte er sich dem Blatt zufolge verwundert, dass die Bundesregierung keine weiteren Gesprächstermine angeboten habe. Zudem sei er enttäuscht, dass keine alternativen Szenarien zur Diskussion gestellt worden seien.

Zuvor hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärt, dass die Bundesregierung nicht bereit sei, Flowers bei einem möglichen HRE-Ausstieg finanziell entgegenzukommen. Flowers "wird Preisvorstellungen haben, die weit über das hinausgehen, was in einem Enteignungsverfahren zu zahlen wäre, gemessen an dem aktuellen Kurs", sagte Steinbrück im WDR. Im Falle einer Enteignung der HRE-Altaktionäre würde die Entschädigung unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Börsenkurses der vergangenen 14 Tage auf eine Summe von "rund 270 Millionen Euro" hinauslaufen, sagte Steinbrück.

Das Kabinett hatte am Mittwoch den Entwurf des "Rettungsübernahmegesetzes" gebilligt, mit dem die Grundlage für eine Rettung der HRE geschaffen werden soll. Die HRE-Aktien waren am Donnerstag mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 1,64 Euro aus dem Handel gegangen.

Quelle: DDP

 
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