Börse: Schwacher US-Markt lastet auf Kursen
zuletzt aktualisiert: 03.12.2010 - 18:26Düsseldorf (RPO). Kraftlos hat sich der Dax am Freitag ins Wochenende verabschiedet. Händlern zufolge wollten Investoren in einer nach wie vor unklaren wirtschaftlichen Gemengelage vor dem Wochenende kein Risiko eingehen.Der Leitindex schloss 0,1 Prozent niedriger bei 6947 Punkten und legte damit auf Wochensicht 1,6 Prozent zu. Die europäischen Indizes schlossen ebenfalls leicht im Minus.
Zunächst hatten Anleger noch mit Erleichterung darauf reagiert, dass die EZB offensichtlich ihr Anleihenkaufprogramm zur Stützung hoch verschuldeter Euroländer fortsetzt. Der Dax war zeitweise bis auf 6977 Zähler gestiegen, den höchsten Stand seit Juni 2008. Für einen Rückschlag auf dem Weg des Dax zur 7000er Marke sorgte allerdings der US-Arbeitsmarktbericht, der deutlich schlechter ausfiel als erhofft. "Eigentlich ist ganz klar, dass der Markt die 7000 Punkte sehen will", sagte ein Händler. "Aber mit solchen Daten an einem Freitagnachmittag ist das nicht zu schaffen."
In den USA waren im November lediglich 39.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden; von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 100.000 mehr gerechnet. Der Bericht habe belegt, dass sich der US-Arbeitsmarkt nur langsam erhole, sagte Analyst Ralf Umlauf von der Helaba. Als Profiteur der schwachen US-Daten erwies sich der Euro; die Gemeinschaftswährung kletterte wieder über 1,34 Dollar.
Pharmawerte nach europaweiten Razzien unter Druck
Auf den Verkaufslisten standen europaweit Pharmawerte. Der Branchenindex verlor 0,6 Prozent. Händlern zufolge zogen sich Anleger zurück, nachdem die Kartellwächter Pharmafirmen durchsuchten. Die Behörden ermittelten wegen des Verdachts, dass Unternehmen den Marktstart bestimmter Generika-Präparate verschleppt und damit den Wettbewerb behindert hätten.
Die Namen der durchsuchten Firmen teilte die EU-Kommission nicht mit; lediglich AstraZeneca räumte ein, betroffen gewesen zu sein. Die Aktien des britischen Konzerns büßten 0,6 Prozent ein. Der größte deutsche Arzneimittelhersteller Bayer wurde nach eigenen Angaben nicht durchsucht, Bayer-Aktien schlossen unverändert.
Unentschlossen waren Investoren bei Finanzwerten. Der europäische Branchenindex war im Verlauf zeitweise um ein Prozent gefallen, aus dem Handel ging er aber unverändert. Unbeliebt blieben Aktien griechischer und britischer Banken, zulegen konnten unter anderem die Titel des spanischen Banco Santander oder der französischen BNP Paribas. In Frankfurt schlossen Deutsche Postbank oder Commerzbank deutlich im Plus. Deutsche Börse wurden von einer geplanten Allianz mit den beiden größten Börsenplätzen in Moskau angetrieben und schlossen 1,3 Prozent höher.
"Sichere Pferde" werden ins Depot gelegt
Trotz der unsicheren Stimmung blieben einige Werte gut gefragt. Anleger griffen vor allem wieder bei Unternehmenstiteln zu, die schon im Jahresverlauf überzeugt haben. "Die Top-Performer werden gekauft, weil man sie zum Jahresende im Depot haben will", sagte ein Börsianer. VW stiegen um knapp vier Prozent, Infineon gewannen fast drei Prozent. Kasse machten Investoren bei HeidelbergCement. Mit einem Minus von 2,9 Prozent waren die Titel Schlusslicht im Dax und gaben einen Großteil ihrer Vortagesgewinne wieder ab. Auch bei Adidas wurden Gewinne eingesteckt, die Titel fielen um 1,7 Prozent.
Im SDax rutschten Deutz in Folge einer Platzierung des Großaktionärs Same um fast zehn Prozent ab. Der Landmaschinenhersteller verkaufte fast die Hälfte seiner ursprünglich rund 45-prozentigen Beteiligung.
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