Vorwürfe gegen Unternehmen: Schwarzbuch: Bahn lässt für 1,50 Euro schuften
zuletzt aktualisiert: 18.01.2010 - 13:47Berlin (RPO). Ein neues Buch erhebt schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn. Im sogenannten "Schwarzbuch" wird dem Unternehmen angelastet, das Schienennetz zu vernachlässigen und somit die Sicherheit der Fahrgäste zu gefährden. Zudem sollen Arbeiter von Subunternehmen mit Stundenlöhnen von 1,50 Euro abgespeist werden. Auch Ex-Boss Hartmut Mehdorn gerät erneut ins Visier.
Das "Schwarzbuch Deutsche Bahn" der ZDF-Journalisten Christian Esser und Astrid Randerath soll am Montag veröffentlicht werden. Darin wird dem Unternehmen unter anderem vorgeworfen, Aufträge vornehmlich an die billigsten Anbieter zu vergeben. Dies habe zur Folge, dass Arbeiten von ungelernten Osteuropäern erledigt würden.
Diese müssten bis zu sieben Tagen in der Woche elf Stunden arbeiten. Teilweise würden sogar verbotene Doppelschichten gefahren. Die Stundenlöhne der Arbeiter liegen zwischen 6,50 und 1,50 Euro. Die Journalisten stützen ihre Anschuldigungen auf drei anonyme Beispiele.
Langsamfahrstellen aus der Statistik genommen
Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" werfen die Autoren der Bahn zudem vor, durch mangelhafte Wartung Fahr- und Wartezeiten für Kunden zu verlängern sowie in einigen Fällen die Sicherheit zu gefährden. Das Eisenbahnbundesamt (Eba) stelle jedes Jahr mehrere hundert Verstöße gegen Rechtsnormen fest.
Die Bahn handele oftmals erst im letzten Moment, um einen Meldung des Amtes zu vermeiden. Zudem sei die Zahl der tatsächlichen Langsamfahrten wegen baufälligen Brücken und Gleisen deutlich höher als von der Bahn ausgewiesen. Die Bahn nähme Langsamfahrstellen, die länger als ein halbes Jahr bestehen, einfach aus der Statistik heraus.
Die Deutschen Bahn weist die Vorwürfe des "Schwarzbuchs" zurück. Die Einhaltung von Arbeitsgesetzen und Sicherheitsvorschriften sei fester Bestandteil der Verträge mit Subunternehmen, teilte Technikvorstand Volker Kefer mit. Wenn die Bahn Verstöße feststelle, würden die Verträge gekündigt und Strafanzeige gestellt.
Neue Details zu Mehdorns Rolle in Datenaffäre
Das "Schwarzbuch" beschäftigt sich zudem mit dem Datenskandal bei der Bahn. Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn soll nach Angaben der "Schwarzbuch"-Autoren gegenüber den Ermittlern in der Datenaffäre jegliche Schuld bestritten haben. "Da bin ich völlig im Reinen mit mir", gab er den Ermittlern der Beratungsgesellschaft KPMG zu Protokoll. Mehdorn sagte demnach, von den teils illegalen Praktiken bei der konzerninternen Suche nach korrupten Mitarbeitern erst im Nachhinein erfahren zu haben. Über diese Erkenntnisse sei er "perplex" gewesen, soll Mehdorn erklärt haben.
Die Autoren schreiben indes von regelmäßigen Arbeitstreffen Mehdorns mit den Verantwortlichen für die Untersuchungen gegen Mitarbeiter. Der frühere Bahn-Chef jedoch sagte laut "Schwarzbuch" aus, die Gespräche seien "weniger inhaltlich" gewesen. "Da ist nie über Ermittlungstechniken geredet worden", zitieren die Autoren aus dem Protokoll der Vernehmung des früheren Bahn-Chefs durch KPMG. Auch die umstrittenen Massenabgleiche von Mitarbeiterdaten hätten ihn "nie erreicht", sagte Mehdorn demnach.
Die Bahn hatte im Kampf gegen Korruption im eigenen Haus ihre Mitarbeiter systematisch überprüft und überwacht. So glich das Unternehmen Daten seiner Mitarbeiter und teilweise von deren Angehörigen mit Lieferantendaten ab. Zudem ließ die Bahn über Detekteien Daten über Mitarbeiter beschaffen und spähte E-Mails und Festplatten aus. Diese illegalen Maßnahmen hatten zu einer Welle der Empörung in Deutschland gesorgt.
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