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Kehrtwende bei GM: "Schwarzer Tag für Opel"

zuletzt aktualisiert: 04.11.2009 - 08:47

Detroit/Berlin (RPO). Paukenschlag bei Opel: Der US-Mutterkonzern General Motors will seine angeschlagene Tochtergesellschaft nun doch behalten. Jetzt steht ein knallharter Sanierungskurs bevor. Von den deutschen Werken sind Bochum und Kaiserslautern akut gefährdet. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist für die Zukunft pessimistisch: Die Kehrtwende der Amerikaner könnte alles noch schlimmer machen. Politik, Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter sind erbost. 

General Motors (GM) wird nach Ansicht von Dudenhöffer mit der Sanierung der deutschen Tochter Opel scheitern. Dadurch werde der Konzern auch selbst in seiner Existenz bedroht, sagte Dudenhöffer am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". "Ich glaube, General Motors hat eine Entscheidung getroffen, die selbst General Motors in den USA auf das Stärkste bedrohen wird", fügte er hinzu. "Die Amerikaner überschätzen sich einfach, die kennen das Autogeschäft in Europa nicht und glauben, sie können es drehen und werden deshalb scheitern."

Für die rund 50.000 europäischen Opel-Beschäftigten sieht Dudenhöffer eine düstere Zukunft. "Da wird es einen großen Aderlass geben für die Beschäftigten. Ich rechne mit Werksschließungen. Antwerpen mit Sicherheit", sagte er. Auch von den deutschen Standorten sei keiner sicher. "Ich rechne damit, dass in den nächsten Wochen die Entlassungswellen rollen", sagte er.

Bundesregierung verärgert

Unterdessen zeigte sich die Bundesregierung massiv verärgert über den abrupten Kurswechsel. "Das Verhalten von General Motors gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist völlig inakzeptabel", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle am Mittwoch vor einer Kabinettssitzung in Berlin, bei der es ebenfalls um die jüngste Entwicklung bei Opel gehen sollte. "Das Verhalten von General Motors gegenüber Deutschland ist völlig inakzeptabel", ergänzte er.

Brüderle forderte General Motors auf, unverzüglich seine Restrukturierungspläne vorzulegen. Er kündigte auch an, Deutschland werde die in Form eines Überbrückungskredit im Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro gewährten Steuergelder zurückholen. Er ließ zunächst offen, ob der US-Konzern bei der Restrukturierung von Opel auf deutsche Staatshilfen hoffen kann, wie sie im Falle der Übernahme durch Magna zugesagt waren.

"Wir werden uns von GM nicht unter Druck setzen lassen", sagte Brüderle. Er selbst sehe sich in seinen früheren Bedenken gegen den Umgang mit dem Thema Opel "in vollem Umfang bestätigt". Der Minister verwies darauf, dass GM bei Opel auf die Unterstützung der Arbeitnehmer angewiesen sei. Angesichts dessen sei das Vorgehen des Konzerns umso kritischer zu sehen.

Gewerkschaft entsetzt

"Das ist ein unglaublicher Vorgang, 50.000 Beschäftigte in Europa einer monatelangen, nervenaufreibenden Hängepartie auszusetzen und am Ende eine nicht nachzuvollziehende Kehrtwende zu machen", sagte Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, in Frankfurt. Mit der Entscheidung von GM seien alle Zusagen aus der Vereinbarung der Arbeitnehmerseite mit Magna gegenstandslos. Es gelte der bisherige Zukunftsplan für Opel, der unter anderem eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2010 vorsehe.

"GM hat durch jahrelange Managementfehler Opel erst in eine schwierige Lage gebracht. Es ist deshalb nur schwer vorstellbar, dass GM eine tragfähige Lösung auf den Weg bringen kann", kritisierte Huber. Für die IG Metall und die Beschäftigten bei Opel habe die Verhinderung von betriebsbedingten Kündigungen und die Sicherung von Standorten oberste Priorität, ergänzte der Gewerkschafter.

"Schwarzer Tag für Opel"

Der Opel-Gesamtbetriebsrat hat die Entscheidung des US-Autokonzerns General Motors, die deutsche Tochter doch nicht zu verkaufen, als "schwarzen Tag für Opel" bezeichnet. "Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten", erklärte Betriebsratschef Klaus Franz in Rüsselsheim. Der Betriebsrat rechnet nach eigenen Angaben damit, dass GM versuchen wird, "Regierungen und Beschäftige in Europa zu erpressen, um das bekannte, nicht tragfähige GM-Konzept zu finanzieren."

Als erste Maßnahme forderte der Betriebsrat die Nachzahlung der ausstehenden Lohnerhöhung für dieses Jahr. Die Opel-Beschäftigten in Deutschland hatten auf die Tariferhöhung von 4,2 Prozent im laufenden Jahr zunächst verzichtet, um dem Unternehmen Liquidität zu erhalten. Diese Ansprüche würden nun zur Auszahlung fällig gestellt, sagte Franz: "Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten, sondern unsere klassische Schutzfunktion für die Belegschaften wahrnehmen."

Es wird erwartet, dass GM bei einer Sanierung von Opel rund 10.000 Arbeitsplätze abbaut und drei bis vier Werke in ganz Europa schließen wird. Als gefährdet gelten in Deutschland die Standorte Bochum, Eisenach und in Teilen Kaiserslautern, daneben Antwerpen in Belgien und Luton in England.

GM zahlt Staatskredite zurück 

Zudem wurde bekannt, dass GM die 1,5 Milliarden Euro schweren deutschen Staatshilfen für Opel nach Angaben von Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) pünktlich zurückzahlen will. "GM hat signalisiert, das Geld wie vereinbart bis 30. November zurückzuzahlen", sagte Reinholz am Mittwoch. Der Bund und die vier Länder mit Opel-Standorten hatten dem Rüsselsheimer Autobauer diesen Überbrückungskredit gewährt.

Der Verwaltungsrat von GM hatte sich in seiner Sitzung am Dienstag gegen den Verkauf von Opel an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna ausgesprochen. GM will nun Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall in Eigenregie sanieren.

Quelle: AFP/ddp/AP/Reuters/ndi

 
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