27.000 Kundeninfos aufgetaucht: Schwere Datenpanne beim Finanzdienstleister AWD
zuletzt aktualisiert: 16.10.2009 - 12:51Hamburg (RPO). Wieder sind zehntausende Kundendaten aufgetaucht. Dieses Mal wurden sie beim Hannoveraner Finanzdienstleister AWD entwendet. Das Unternehmen hat einen entsprechenden Bericht am Freitag bestätigt.
Wie der Hörfunksender "NDR Info" am Freitag berichtete, wurden ihm 27.000 Datensätze zugespielt. Diese enthielten Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Vertragsabschlüsse der einzelnen Kunden. AWD teilte in Hannover mit, bei den Kundenangaben handele es sich nicht um sensible Daten im Sinne des Datenschutzes. Das Unternehmen erstattete Strafanzeige gegen unbekannt und will den Fall rasch aufklären.
Nach Angaben des NDR ist aus den Datensätzen ersichtlich, welche Kunden eine Lebensversicherung abgeschlossen und wie viel Geld sie angelegt haben. Auch die Laufzeit der Verträge sei angegeben, demnach sei ein großer Teil der Verträge nach wie vor gültig. Wie die Informationen in Umlauf geraten konnten, sei unklar. Aus dem Umfeld des Finanzdienstleisters hieß es laut NDR Info, dass nur hochrangige Mitarbeiter Zugriff auf eine derart große Menge an Datensätzen hätten. Wie die Nachrichtenagentur ddp aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll ein Ex-Mitarbeiter aus dem Raum Paderborn für den Verlust der Daten verantwortlich sein.
Wie AWD weiter mitteilte, gibt es Zweifel an der "Authentizität von Stammdaten und Kundenummern". So seien viele der Datensätze veraltet oder nicht mehr existent. "Die jüngsten der uns übermittelten Daten stammen aus dem Jahr 2001, die Mehrzahl aus den 90er Jahren", hieß es. Die Kundenangaben seien zudem keine sensiblen Daten im Sinne des Datenschutzes, "insbesondere keine Konto- oder Bankverbindungen der Kunden", betonte das Unternehmen.
Der Sprecher des niedersächsischen Datenschutzbeauftragten sagte hingegen auf ddp-Anfrage, bislang seien die Daten als sensibel zu betrachten. Erst die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft würden zeigen, wie die Daten tatsächlich einzustufen seien und welche Verstöße gegen das Datenschutzgesetz vorlägen.
Nach eigenen Angaben hat AWD bereits am Mittwoch Strafanzeige gegen unbekannt gestellt und den niedersächsischen Datenschutzbeauftragten Joachim Wahlbrink informiert. AWD versicherte, das Unternehmen habe ein großes Interesse an der raschen Aufklärung des Falles.
Wahlbrink sagte, sollte es sich herausstellen, dass die Daten direkt aus der Firma gekommen und nicht etwa durch ein Call-Center in Umlauf gebracht worden seien, sei dieser Fall von besonderer Bedeutung. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), forderte die AWD-Spitze auf, aus dem jüngsten Vorfall Konsequenzen zu ziehen.
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