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Facebook-Managerin zum Tod ihres Mannes
Sheryl Sandberg – Leben ohne Dave

Sheryl Sandberg – Leben ohne Dave
Sheryl Sandberg und Dave Goldberg 2011 im Sun Valley. FOTO: ap
San Fransisco . Facebook-Managerin Sheryl Sandberg ist eine der mächtigsten Frauen der Welt. Möglich wurde ihr Aufstieg, weil ihr Ehemann ihr den Rücken frei hielt. Doch nun ist Dave tot – und Sandberg offenbart in einem Facebook-Post ihre Gefühle. Von Florian Rinke

"Ein Rabbiner hat mir vom mächtigsten einzeiligen Gebet erzählt, das er jemals gelesen hat: 'Lass mich nicht sterben, während ich noch lebendig bin.' Ich hätte dieses Gebet nie verstanden, bevor ich Dave verloren habe. Nun verstehe ich es."

Mit 45 Jahren hat Sheryl Sandberg mehr erreicht als andere im ganzen Leben: Sie war Stabschefin im Finanzministerium unter Präsident Bill Clinton, wurde Chefin des Sozialen Netzwerkes Facebook und stieg zu einer der mächtigsten Frauen der Welt auf. Trotzdem, so hat sie es einmal erzählt, verließ sie jeden Tag um 17.30 Uhr das Büro, um mit ihren zwei Kindern und ihrem Ehemann zu Abend zu essen. Doch dann starb Dave.

Anfang Mai verunglückte der Manager bei einem gemeinsamen Urlaub in Mexiko. Der 47-Jährige war auf einem Laufband im Fitnessstudio gestürzt und so unglücklich gefallen, dass jede Hilfe zu spät kam. Das Silicon Valley stand unter Schock, denn Dave Goldberg war hoch angesehen. Sogar die Präsentationen von Quartalszahlen wurden angeblich von Managern verschoben, um an der Trauerfeier teilnehmen zu können. In einem bewegenden Facebook-Post hat Sheryl Sandberg nun der Öffentlichkeit einen Einblick in ihre Gefühlswelt gegeben und versucht in Worte zu fassen, wie sie mit Daves Tod umgeht.

Große Aufmerksamkeit auf Facebook

Der Text hat sich rasend schnell im Netz verbreitet, wurde hunderttausendfach geteilt. Denn während Spitzenmanager und Top-Politiker normalerweise darum bemüht sind, keine Schwäche zu zeigen und immer so zu wirken, als hätten sie alles unter Kontrolle, erzählt Sandberg schonungslos offen davon, wie ihre Mutter sich jeden Abend ins Bett neben sie gelegt hat, um sie im Arm zu halten, während sie sich in den Schlaf weinte; wie sie auf Schulveranstaltungen ihrer Kinder zu Boden starrte, um den mitleidvollen Blicken anderer Eltern zu entgehen. "Bis jetzt war ich die ältere Schwester, die Geschäftsführerin, die Macherin und Planerin. Das habe ich jedoch nicht geplant, und als es passierte, war ich nicht in der Lage, viel von irgendetwas zu tun."

Es sind Zeilen, die so gar nicht zu dem Bild einer Power-Frau, die in Harvard studierte und anschließend unter anderem für die Unternehmensberatung McKinsey und den Internetkonzern Google arbeitete, passen wollen. Dabei wären all diese Dinge ohne ihren Ehemann Dave wohl gar nicht möglich gewesen. "Die wichtigste Karriereentscheidung für Frauen ist die Wahl des Partners", sagte Sandberg vor zwei Jahren anlässlich der Vorstellung ihres Buches "Lean In". Darin forderte sie Frauen auf, sich mehr reinzuhängen, wenn sie Karriere machen wollen. Die Welt werde zwar noch immer von Männern regiert, doch wenn Frauen sich selbstbewusster das nähmen, was ihnen aufgrund ihrer Fähigkeiten zusteht, könnte sich dies ändern. "Eine Welt, in der Männer die Hälfte der Haushalte führen und Frauen die Hälfte unserer Institutionen, wäre einfach eine viel bessere Welt", so Sandberg. Doch dazu müssten Frauen ehrgeiziger werden – und bei der Partnerwahl genau hinschauen: Heirate einen echten Partner, der wirklich die Hälfte der Windeln wechselt.

Erstes Treffen vor 20 Jahren

Dave war für Sheryl Sandberg so ein Mann. Die beiden trafen sich vor 20 Jahren, als sie nach Los Angeles kam. Er wurde erst ihr bester Freund und dann ihr Ehemann. Er sei ihr Fels in der Brandung gewesen, schrieb Sheryl Sandberg wenige Tage nach seinem Tod auf Facebook. Wenn sie nicht weiter kam, habe er gewusst, was zu tun sei.

In ihrem aktuellen Beitrag schreibt sie, sie wolle mit ihrem Text anderen Mut machen: "Auch, wenn die Erfahrung des Schmerzes zutiefst persönlich ist, so hat mir doch der Mut derjenigen, die ihre Erfahrungen mit mir geteilt haben, geholfen, da durchzukommen. Einige, die mir ihre Herzen geöffnet haben, waren engste Freunde. Andere waren Fremde, die ihren Rat mit mir geteilt haben. Deshalb teile ich, was ich gelernt habe, in der Hoffnung, dass es jemand anderem helfen wird. In der Hoffnung, dass aus dieser Tragödie ein Sinn erwachsen kann."

Sheryl Sandberg sagte einmal: "Ich glaube wirklich daran, was Facebook macht." Die Seite könne dabei helfen Organspender zu finden oder leibliche Mütter – oder, das zeigen ihre aktuellen Beiträge – auch bei der Trauerarbeit helfen. Und so ist ihr Statement nicht nur das öffentliche Bekenntnis einer trauernder Ehefrau – sondern auch emotionales Beispiel von Facebooks Selbstbild. Das Netzwerk hat Dave Goldberg einen digitalen Grabstein gesetzt: "In Erinnerung an Dave Goldberg" steht über der Seite, auf die Sheryl Sandberg in ihren Beiträgen verlinkt. Dave Goldberg ist nicht mehr da, wenn sie abends um 17.30 Uhr nach Hause kommt, um mit ihren Kindern zu Abend zu essen. Doch in ihren Herzen lebt er als Vater und Ehemann weiter – genauso wie im Internet.

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