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Stellenstreichungen
Siemens-Chef Kaeser schießt gegen Schulz zurück

Siemens-Chef Joe Kaeser schießt gegen Martin Schulz zurück
Der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Joe Kaeser. FOTO: dpa, tha gfh lof
Berlin/München. Als "asozial" und "verantwortungslos" hatte SPD-Chef Martin Schulz den geplanten Stellenabbau bei Siemens genannt. Siemens-Chef Joe Kaeser lässt das nicht auf sich sitzen und teilt gegen die Sozialdemokraten aus. Der Ton wird rauer.

Während Siemens-Betriebsräte in Berlin tagen, nimmt der Streit um die geplanten Job-Streichungen kein Ende. SPD-Chef Martin Schulz hatte den geplanten Stellenabbau bei Siemens erneut scharf kritisiert. Die Streichung tausender hoch qualifizierter Jobs sei volkswirtschaftlich irrsinnig und verantwortungslos, sagte Schulz vor rund 2000 Demonstranten in Berlin-Neukölln. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Politik in der Frage weitgehend machtlos sei.

"Dass durch Arbeitsplatzabbau die Effizienz des Unternehmens gesteigert wird, heißt übersetzt: Damit wir noch ein bisschen mehr Gewinn machen, schmeißen wir die Leute raus. Das ist asozial", sagte Schulz. 

Schulz hatte bereits am Dienstag im Bundestag von "verantwortungslosen Managern" gesprochen und die hohe Summe öffentlicher Gelder betont, die im Rahmen von Aufträgen an Siemens geflossen seien. Siemens-Chef Joe Kaeser wies die Kritik in einem Brief an Schulz zurück und forderte seinerseits den SPD-Chef auf, verantwortlich zu handeln. 

Kaeser entgegnete schriftlich, Siemens habe allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als 20 Milliarden Euro an Steuern, Abgaben und Sozialversicherungsbeiträgen an den deutschen Staat überwiesen. In Deutschland gebe es kaum mehr Nachfrage für Gas- und Kohlekraftwerke. Die Energiewende sei in der Sache richtig, "in Ausführung und Timing" jedoch höchst unglücklich.

"Überlegen Sie sich, wer wirklich verantwortungslos handelt"

Im Gegenzug erinnerte Kaeser den SPD-Chef angesichts dessen Beharren auf der Oppositionsrolle während der schwierigen Regierungsbildung an dessen eigene Verantwortung. "Vielleicht sollten Sie sich dabei auch überlegen, wer wirklich verantwortungslos handelt: Diejenigen, die absehbare Strukturprobleme proaktiv angehen und nach langfristigen Lösungen suchen, oder diejenigen, die sich der Verantwortung und dem Dialog entziehen." Diese Frage stelle sich ja gerade ganz aktuell in einer Zeit, in der es nicht nur um die Belange einzelner Unternehmensteile bei Siemens gehe, sondern um ein ganzes Land.

Siemens hatte angekündigt, weltweit 6900 Stellen abbauen zu wollen - davon etwa die Hälfte in Deutschland. Der Münchner Konzern reagiert damit nach eigener Begründung auf schlechter laufende Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik. Beschäftigte des Elektrokonzerns demonstrierten am frühen Donnerstagmorgen in Berlin mit einem Autokorso gegen die Stellenstreichungen. 

(laha/dpa/reu)
 
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