Ex-Bereichsvorstand bestätigt Zahlungen: Siemens-Spitze wusste laut Zeuge nichts über Schmiergelder
zuletzt aktualisiert: 29.05.2008 - 11:34München (RPO). Entlastung für die oberste Führung des Siemenskonzerns: Ein ehemaliger Bereichsvorstand bestätigte zwar das Vorhandensein der schwarzen Kassen, die höchste Führungsebene des Konzerns habe davon seiner Kenntnis nach nichts gewusst.
Das erklärte der als Zeuge geladene Ex-Manager am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht. "Vom Ablauf der Dinge her musste nicht und wurde nicht darüber gesprochen."
Er habe "mit fast absoluter Sicherheit nicht" mit seinen damaligen Vorgesetzten, den Ex-Siemens-Vorständen Volker Jung und Heinz-Joachim Neubürger, über die Zahlungen gesprochen, sagte der frühere Bereichsvorstand der Festnetzsparte ICN.
Gegen beide Manager ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Affäre. Der 66-jährige, inzwischen pensionierte Zeuge sagte, er habe Gespräche über die Zahlungen vermieden, "um die Herren nicht einzubeziehen in Dinge, die sensibel waren" und fügte hinzu: "Und die Herren haben nicht nachgefragt."
Er selbst habe "die Auszahlung der Beträge freigegeben mit meiner Unterschrift", sagte der Zeuge. Ab Ende der 90er Jahre habe er "dieses Thema verstärkt delegiert" und zwar an den angeklagten Ex-Manager Reinhard S.. Dieser sei ein "Kaufmann mit sehr profundem Wissen".
"Ich habe irgendwann beschlossen, das Thema etwas nach unten zu delegieren", da er als Bereichsleiter so viele andere Aufgaben gehabt habe, sagte der Zeuge. Auf die Frage des Richters, ob er die Aufgabe abgegeben habe, weil ihm die Zahlungen zu heikel wurden, erklärte er: "Ich schließe dieses Motiv nicht völlig aus, aber es war nicht das Hauptmotiv." Auslandsbestechung war ab 1999 strafbar.
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