813 Millionen Euro: Siemens verzeichnet wenig Gewinn
zuletzt aktualisiert: 26.01.2006 - 18:44München (rpo). Der deutsche Elektro-Riese Siemens hat das Startquartal des Geschäftsjahres 2006 mit einem schwachen Gewinn beendet. Nur 813 Millionen Euro standen am Ende auf der Habenseite des Unternehmens, für die üblichen Verhältnisse eine magere Summe. Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld aber zog auf der Hauptversammlung in München eine positive Bilanz. "Wir sind gut in das Jahr 2006 gestartet", sagte er und verwies auf prall gefüllte Auftragsbücher und satte Umsatzzuwächse.
Ungewöhnlich viele Großaufträge habe Siemens von Oktober bis Dezember 2005 an Land gezogen, führte der Vorstandsvorsitzende aus. Für 670 Millionen Euro verkauft der Technologieriese 60 Hochgeschwindigkeitszüge nach China, nach Katar werden Umspannwerke für 500 Millionen Euro geliefert. In der Boomregion Asien/Pazifik schnellten Aufträge und Umsätze nach oben. Vor allem in China und Indien liefen die Geschäfte glänzend. In den Auftragsbüchern des Großkonzerns summierten sich die Bestellungen auf 26,8 Milliarden Euro (plus 31 Prozent). Der Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro.
Das auf 1,4 Milliarden Euro gesunkene operative Ergebnis (minus zehn Prozent) trübte Kleinfelds Freude nicht. "Ich bin recht zufrieden, wie wir unterwegs sind", sagte der ehrgeizige Manager. Schließlich habe die Sanierung der Sorgensparten Kommunikation (Com) und IT-Dienstleistungen (SBS) 350 Millionen Euro verschlungen. Sind die Aufräumarbeiten abgeschlossen, werden bis 2007 alle elf Sparten die strikten Renditeziele erreichen, ist Kleinfeld überzeugt. "Nur in führenden Marktpositionen wird stabil Geld verdient", betonte er.
Seit seinem Amtsantritt vor genau einem Jahr kehrt Kleinfeld bei dem Traditionskonzern mit eisernem Besen. Das tief in den roten Zahlen steckende Handygeschäft verschenkte er an die taiwanische Firma BenQ. Die gebeutelte IT-Tochter SBS zerschlug er und verkaufte das verlustreiche Computer-Wartungsgeschäft an den PC-Produzent Fujitsu-Siemens. Auflösen und Krisengeschäfte abstoßen - so verfuhr er auch mit der Logistiksparte. "Wir wissen, was zu tun ist", sagte Kleinfeld. "Und wir tun es."
Von Protesten tausender betroffener Mitarbeiter, die ihren Job bei Siemens verloren, lässt sich der durch einen langen US-Aufenthalt geprägte Manager nicht beirren. Ungeduld und Konfrontationskurs wird Kleinfeld von Siemens-Beschäftigten vorgeworfen, die den kompromissorientierten Kurs des Vorgängers Heinrich von Pierer schätzten. "Die Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter verstehen sehr wohl, dass nur erfolgreiche Geschäfte Stellen sichern", hielt der Vorstandschef dagegen und rechnete vor: Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland sei im vergangenen Jahr konstant bei 165.000 geblieben, Siemens habe sogar 8.300 neue Mitarbeiter eingestellt. Mit 10.000 Lehrlingen sei der Konzern der größte private Ausbilder der Republik.
Beifall für Pierer
Die Sanierung gehe weiter, betonte Kleinfeld. "Wir haben noch eine Reihe von Hausaufgaben zu machen." Aus dem Elektromulti will der Vorstandschef einen Infrastruktur-Dienstleister machen, der auf Trends wie Bevölkerungsalterung, Urbanisierung und steigenden Energiebedarf reagieren kann. Siemens soll alle technischen Leistungen aus einer Hand anbieten, wie Kleinfeld am Beispiel des Zentrums für Flughafentechnik in Fürth erläuterte. "Das Einzige, das wir nicht haben, ist Beton." Innovationen seien der Schlüssel zum Erfolg, sagte Kleinfeld und führte zwei Erfindungen aus dem Konzern vor: ein Nachtsichtgerät fürs Auto, mit dem man unbeleuchtete Radfahrer oder Fußgänger erkennen kann, sowie eine automatische Einparkhilfe, bei der die Elektronik das Lenken übernimmt.
Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) lobte Kleinfelds Kurs: "Siemens hat sich relativ gut geschlagen." Die Börse sah dies ähnlich: Siemens war Tagessieger im DAX mit einem Plus von 5,7 Prozent am frühen Nachmittag. Bergdolt forderte aber endlich Verbesserungen in den Dauerproblemsparten Com und SBS. Auch Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) verlangte schnellere Erfolge: "Lahme Enten werden nur von einem Teich zum anderen geschoben."
Im Startquartal steckte nur noch die IT-Tochter SBS in den roten Zahlen, die mit 229 Millionen Euro den Verlust fast verzehnfachte. In der Kommunikationssparte sackte das Ergebnis auf 323 Millionen Euro ab. Die größten Gewinne lieferten Automatisierungs- und Medizintechnik sowie die Kraftwerksparte.
Viel Beifall von den rund 10.000 Aktionären erhielt Aufsichtsratschef Pierer, der am Donnerstag seinen 65. Geburtstag feierte. "Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man 850.000 Einladungen zum Geburtstag verschicken kann", freute sich der Jubilar.
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