Elektroloks für 338 Millionen Euro: Siemens zieht Groß-Auftrag in USA an Land
zuletzt aktualisiert: 29.10.2010 - 18:34München (RPO). Siemens hat einen Großauftrag für Zugtechnik aus den USA erhalten. Der Bahnbetreiber Amtrak habe 70 Elektrolokomotiven im Wert von 338 Millionen Euro bestellt, teilte der Münchner Konzern am Freitag mit.
Für Siemens sei dies nach eigenen Angaben der erste Auftrag im amerikanischen Fernverkehr. Die Fahrzeuge sollen ab Februar 2013 ausgeliefert werden. Die Triebfahrzeuge sollen im Nordosten der USA zwischen Boston und Washington sowie im US-Staat Pennsylvania eingesetzt werden, teilte der Präsident von Amtrak, Joseph Boardman, mit. Die Lokomotiven werden größtenteils im Siemens-Werk im kalifornischen Sacramento gebaut.
Einen Tag zuvor hatte Siemens den Abbau von 2000 Stellen bei seiner ausgegliederten IT-Tochter SIS in Deutschland abgeschlossen. "Wir sind ohne betriebsbedingte Kündigungen ausgekommen", sagte SIS-Chef Christian Oecking der Tageszeitung "Die Welt". Rund 1000 Mitarbeiter in München, Paderborn, Erlangen und den anderen betroffenen Standorten unterschrieben Aufhebungsverträge, 500 wechselten in eine Transfergesellschaft und 500 nahmen Angebote wie Altersteilzeit an, sagte Oecking.
Der Elektronikkonzern führt die defizitäre SIS seit 1. Oktober als eigenständige GmbH. Beim Abbau weiterer 2.200 Stellen im Ausland komme SIS "auch sehr gut voran. Hier haben wir bisher rund 70 Prozent umgesetzt", sagte Oecking. Die Restrukturierungskosten blieben etwas unter den geplanten 400 Millionen Euro. Die Kunden reagierten nicht verunsichert, soeben habe die Talanx-Versicherung einen Vertrag in dreistelliger Millionenhöhe abgeschlossen. Ab 2012 könne SIS wieder branchenübliche Renditen erzielen.
Die stellvertretende Siemens-Betriebsratschefin Birgit Steinborn kritisierte dagegen, es bleibe unklar, "was genau der Siemens-Vorstand mit SIS vorhat". SIS-Betriebsratschef Günter Neumann sagte: "Uns liegt bislang kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell vor."
Siemens bekommt auch Eurostar-Auftrag
Der französische Siemens-Rivale Alstom scheiterte am Freitag vor einem britischen Gericht mit dem Versuch, die Bestellung von zehn Hochgeschwindigkeitszügen des Bahnbetreibers Eurostar bei Siemens zu stoppen. Das Londoner Royal High Court lehnte den Antrag der in der Ausschreibung unterlegenen Franzosen auf eine einstweilige Verfügung ab. Siemens und Eurostar kündigten nach der Entscheidung an, ihre Verhandlungen fortzusetzen und baldmöglichst den 600 Millionen Euro schweren Vertrag für die Strecke zwischen Frankreich und Großbritannien zu unterzeichnen. Die Züge sollen ab 2014 ausgeliefert werden.
Der Streit hat auch politisch hohe Wellen zwischen Paris und Berlin geschlagen. Auch die französische Regierung wehrte sich gegen Siemens als Lieferanten und warf den Deutschen Sicherheitsmängel an den Zügen vor. Die Münchener weisen den Vorwurf zurück: Die Richtlinien des Tunnels entsprächen nicht dem heutigen Stand der Technik. Die Münchner hatten den traditionellen französischen Lieferanten Alstom überraschend ausgestochen.
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