Chronik des Tages: So lief der Piloten-Streik der Lufthansa
zuletzt aktualisiert: 22.02.2010 - 20:21Frankfurt (RPO). Kurz nach Mitternacht am Dienstag hatte der größte Pilotenstreik in der deutschen Geschichte begonnen. Am Drehkreuz Frankfurt fielen insbesodere Inlandsflüge aus. Insgesamt sollten bis zu 60 Prozent aller Flüge nicht starten. Die Lufthansa hatte einen Sonderflugplan eingerichtet.
19.40 Uhr: Der Pilotenstreik bei der Deutschen Lufthansa soll ausgesetzt werden. Darauf verständigten sich die größte deutsche Fluggesellschaft und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Montagabend vor dem Frankfurter Arbeitsgericht.
Der Streik wird vorerst nicht weitergeführt, die Parteien beraten über die Beendigung. igentlich sollte das Gericht über die Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfes entscheiden. Nun einigten sich beide Seiten auf Vorschlag der Richterin auf eine Aussetzung des Streiks und die Fortsetzung der Tarifverhandlungen.
19.10 Uhr: Die Deutsche Lufthansa hat einen Arbeitskampf einer weiteren Berufsgruppe abgewendet. Der Konzern will im kommenden Monat Tarifverhandlungen für die rund 16 000 Flugbegleiter bei der größten deutschen Fluggesellschaft aufnehmen, wie ein Sprecher der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) am Montag in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt am Main der Nachrichtenagentur ddp sagte.
Mecker-Box zum Streik
4500 Piloten von Lufthansa und Germanwings sind von Montag an zum Streik aufgerufen. Lufthansa und Bahn reagieren mit Sonderplänen. Viele Passagiere bleiben dennoch auf der Strecke. Was denken Sie vom Streik? Sind Sie sauer auf die Piloten? Oder haben Sie Verständnis für die Forderungen von Cockpit? Schreiben Sie hier.
18.40 Uhr: Das Arbeitsgericht Frankfurt hat seine Verhandlung über die Zulässigkeit der Lufthansa Pilotenstreiks am Montagabend unterbrochen. Die Richterin Silke Kohlschitter forderte die Vertreter von Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf, die Möglichkeiten einer Einigung auszuloten. Daraufhin zogen sich beide Parteien zu getrennten Beratungen über einen Vergleich zurück.
"Es hilft nicht, Sie müssen in irgendeiner Form wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren", appellierte Richterin Kohlschitter an Lufthansa und Gewerkschaft. Beide Seiten sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren und vorbehaltlos über Entgeltfragen sprechen.
17.50 Uhr: Die Lufthansa-Billigtochter Germanwings hat am ersten Tag des Pilotenstreiks nach eigenen Angaben 120 von 160 Flügen anbieten können. "Germanwings ist gut durch den ersten Streiktag gekommen", teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Der größte Teil der Fluggäste sei ohne Einschränkungen befördert worden. Viele von Flugstreichungen betroffene Passagiere hätten ihre Flüge bereits Ende vergangener Woche und am Wochenende umgebucht oder storniert, erklärte das Unternehmen.
15.34 Uhr: Nach dem laufenden Streik der Piloten drohen der Lufthansa jetzt auch Arbeitsniederlegungen ihrer Flugbegleiter. Die Lufthansa habe für die anstehende Tarifrunde bisher noch kein Verhandlungsangebot vorgelegt und weigere sich Gespräche aufzunehmen, erklärte Nicoley Baublies, Sprecher der Tarifkommission Lufthansa Kabine bei der Flugbegleitergewerkschaft UFO am Montag in Frankfurt am Main.
15.12 Uhr: Bei der Lufthansa hat am ersten Tag des Pilotenstreiks Konzernangaben zufolge bis zum frühen Nachmittag mehr als die Hälfte der ursprünglich geplanten Flüge abgehoben. Damit habe der Konzern das angestrebte Ziel erreicht, trotz des Piloten-Ausstands zwischen 50 und 60 Prozent der Verbindungen abzufertigen, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Montag in Frankfurt am Main.
13.23 Uhr: Der Streik wird nach Ansicht von Experten zwar den Flugkonzern belasten, aber volkswirtschaftlich keine größeren Schäden hinterlassen. "Bei einem so massivem Streik bleibt es nicht aus, dass es zu Ausfällen und Verspätungen im Frachtverkehr kommt", sagte Reinhard Lankes vom Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV). "Das wird aber wohl überschaubar bleiben."
12.57 Uhr: Die Pilotengewerkschaft Cockpit wertet den Streik bei der Lufthansa als gelungen. "Nach unserer Ansicht läuft der Streik fantastisch", sagte VC-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi. Der Cockpit-Sprecher schloss weitere Arbeitsniederlegungen nicht aus. Die Gewerkschaft hoffe, dass sich in den vier Tagen Bewegung im Tarifstreit ergebe. "Wenn nicht, dass werden wir natürlich in der Folgewoche oder danach weitere Streikaktionen planen müssen."
12.23 Uhr: An den deutschen Flughäfen ist das befürchtete Chaos ausgeblieben. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt laufe der Verkehr geordnet, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Fraport. Viele Passagiere hätten sich auf den angekündigten Streik eingestellt. Auch in München gab es keine überfüllten Wartehallen. "Es ist ziemlich ruhig. Wir haben viel weniger Passagiere am Flughafen als sonst an einem Montag", sagte ein Sprecher des zweitgrößten heimischen Flughafes. Der Notfallplan der Lufthansa funktioniere weitgehend.
12.01 Uhr: Das Arbeitsgericht Frankfurt will noch heute über die Rechtmäßigkeit des Pilotenstreiks bei der Lufthansa entscheiden. Eine mündliche Verhandlung sei dazu um 17:30 Uhr geplant, sagte der Präsident des Arbeitsgerichts, Frank Woitaschek. Danach werde es eine Entscheidung geben.
11.41 Uhr: Vom Pilotenstreik betroffene Reisende haben rege von zusätzlichen Angeboten der Bahn Gebrauch gemacht. "Wir haben ein erhöhtes Reisenden-Aufkommen", sagte ein Bahnsprecher. Auf den Fernverkehrsstrecken Köln-Hamburg und Köln-Berlin wurden nach diesen Angaben am Morgen zusätzliche Züge eingesetzt. Am Abend sollten sie in die Gegenrichtung fahren. Auf der Strecke Hamburg-Kassel-Nürnberg-München wurden die Platzkapazitäten erhöht, wie der Sprecher weiter sagte: "Das Angebot wird gut angenommen."
11.12 Uhr: Die Lufthansa geht vor Gericht gegen den Streik ihrer Piloten vor. Man habe beim zuständigen Arbeitsgericht Frankfurt am Main einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung eingereicht, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Dadurch solle der Streik unterbunden werden.
10.58 Uhr: Trotz des Streiks ist das erwartete große Chaos am Frankfurter Flughafen bislang ausgeblieben. "Es ist alles sehr geordnet und ruhig", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft.
10.37 Uhr: Wenige Stunden nach Beginn ihres auf vier Tage angesetzten Streiks bei der Lufthansa hat sich die Pilotengewerkschaft Cockpit kämpferisch gezeigt und weitere Arbeitskampfmaßnahmen angekündigt.
10.14 Uhr: Germanwings teilt mit, dass trotz des Pilotenstreiks zwei Drittel ihrer Flüge starten werden. Laut eines Ersatzflugplans sollen über 400 der rund 600 Verbindungen bedient werden. Germanwings unterhält fünf Standorte in Deutschland - darunter in Köln/Bonn und Dortmund.
10.04 Uhr: Der Streik hat am Flughafen Düsseldorf laut eines Sprechers bislang nicht zu größeren Behinderungen geführt. Der Flughafen-Sprecher teilte am Vormittag mit, es gebe derzeit keine größeren Schlangen oder gar "Chaos" an den Schaltern.
9.35 Uhr: In Berlin-Tegel sollten nur rund 25 der normalerweise 70 Lufthansa-Flüge angeboten werden, sagte der Berliner Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber am Morgen.
9.18 Uhr: Noch keine Auswirkungen im Dax – Nach Beginn des Pilotenstreiks starteten Lufthansa-Aktien kaum verändert in den Börsentag.
9.10 Uhr: Bei der Lufthansa sind durch den Streik der Piloten bereits mehr Flüge ausgefallen als geplant. "Ein paar" Verbindungen aus dem Notflugplan hätten leider gestrichen werden müssen, gesteht eine Sprecherin des Konzerns.
9.01 Uhr: Kritik am Streik kommt vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Vor dem Hintergrund der gerade erlebten "schwersten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik" sei der Streik "verantwortungslos", erklärte DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben in einem Interview.
8.25 Uhr: "Die Verantwortung für sämtliche Auswirkungen – auf die Kunden, die Zukunft des Unternehmens und auf den Wirtschaftsstandort Deutschland - trägt einzig und allein die Gewerkschaft", erklärt ein Sprecher der Lufthansa.
7.59 Uhr: Die Bahn versucht, die Folgen der ausgefallenen Lufthansa-Flüge mit zusätzlichen Zügen aufzufangen. Im Internet hat das Unternehmen einen Sonderfahrplan veröffentlicht.
7.30 Uhr: In Hamburg sollen 44 von 97 geplanten Flügen staatfinden.
7.15 Uhr: In Düsseldorf sollen heute im Laufe des Tages 40 Verbindungen ausfallen. Am Vormittag sind unter anderem zwei Flüge nach München und einer nach Hamburg annuliert. Der sonstige Flugplan kann bisher eingehalten werden.
6.12 Uhr: Die Lufthansa hat im Internet einen Sonderflugplan für die kommenden vier Tage veröffentlicht. Ob dieser Plan tatsächlich eingehalten werden kann, ist derzeit aber noch offen.
Montag, 6.05 Uhr: Bereits jetzt sind die Folgen des Ausstands spürbar. An den großen deutschen Flughäfen sind bereits Dutzende Flüge ausgefallen.
Sonntag, 22 Uhr: Jetzt steht fest. Auch am Abend wird es nicht mehr zu einer Einigung zwischen Lufthansa und Pilotengewerkschaft Cockpit kommen. Am Montag sind 4000 Piloten der Lufthansa aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen.
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