Nach Milliardenverlusten: Société Générale: Übernahme nicht ausgeschlossen
zuletzt aktualisiert: 30.01.2008 - 21:57Paris (RPO). Der Milliardenverlust durch Spekulationen des Händlers Jérôme Kerviel hat die französische Großbank Société Générale in eine Krise gestürzt. Spekulationen um eine Übernahme des traditionsreichen Geldhauses kursieren. Offenbar zieht selbst Bankchef Daniel Bouton eine Übernahme in Erwägung.
Bouton habe sich am Mittwoch vor dem Gremium bereit erklärt, ein mögliches Angebot "zu prüfen", hieß es von der Konzernleitung. Im französischen Fernsehen sagte Bouton am Abend jedoch, die Bank könne unabhängig bleiben, "solange Kapital vorhanden" sei. "Die Société Générale ist in Form und entwickelt sich weiter", fügte Bouton hinzu. Die Bank hatte wegen ungenehmigter Spekulationen eines ihrer Händler 4,9 Milliarden Euro abschreiben müssen.
Bouton schloss den Angaben zufolge im Verwaltungsrat eine freundliche Übernahme nicht grundsätzlich aus. Im Grunde setze er aber auf die geplante Kapitalerhöhung, sagte ein Verwaltungsratsmitglied. "Er glaubt nicht, dass es derzeit eine freundliche oder feindliche Übernahme gibt." Die Bank müsse unabhängig bleiben.
"Es gibt streng genommen überhaupt kein Problem, solange Kapital vorhanden ist", sagte Bouton dem Fernsehsender France 2. Trotz des "gigantischen Verlusts" bleibe die Société Générale rentabel, weil das Unternehmen "dermaßen stark" sei. Gerüchte über die Zukunft des Geldinstitut gebe es sehr zwölf Jahren, sagte Bouton, der am Mittwoch vom Verwaltungsrat in seinem Amt bestätigt wurde.
Früher hatte der Bankchef immer wieder betont, dass gegen eine feindliche Übernahme der Börsenwert des Unternehmens die beste Verteidigung sei. Seit vergangenen Mai verlor das Kreditinstitut auf dem Börsenparkett jedoch die Hälfte an Wert. Am Mittwoch belief er sich auf 38 Milliarden Euro, während Konkurrentin BNP Paribas bei 60 Milliarden Euro lag.
Durch die guten Zahlen von BNP Paribas erhielten die Spekulationen über eine mögliche Übernahme neue Nahrung. Diese konnte am Mittwoch einen Rekordgewinn von 7,8 Milliarden Euro vermelden. Die BNP Paribas hatte 1999 schon einmal vergeblich versucht, die Société Générale in eine Megafusion französischer Banken zu zwingen. Am Dienstag war der Kurs der Société-Generale-Aktie wegen Marktgerüchten um eine mögliche Offerte der BNP Paribas um über zehn Prozent nach oben geschossen.
Nach einem anderen Szenario könnte die angeschlagene Société Generale zu Gunsten der BNP Paribas und der Crédit Agricole aufgeteilt werden, und auch ausländische Institute könnten laut Gerüchten die Schwäche der Großbank nutzen. Premierminister François Fillon hatte deshalb am Dienstag mögliche Interessenten gewarnt. Präsident Sarkozy werde nicht zulassen, dass die Bank "zum Gegenstand eines feindlichen Angriffs" werde.
Die EU-Kommission in Brüssel warnte Frankreich jedoch davor, bei einem feindlichen Übernahmeversuch in Protektionismus zu verfallen. Auch im Falle der Société Générale müssten die Regeln der freien Kapitalbewegung gelten, sagte ein Sprecher von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy. Mögliche Bieter dürften nicht diskriminiert werden.
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