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Air Berlin ddp 2010 Panorama
  Foto: ddp, ddp
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Wechsel an der Spitze der Airline: Sorge um Jobs bei Air Berlin

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 20.08.2011 - 15:26

Düsseldorf (RP). Der designierte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn gilt als harter Sanierer. Deshalb befürchten die Mitarbeiter der Fluggesellschaft, die seit Jahren Verluste schreibt, jetzt einen Kahlschlag im Stellenplan. Air Berlin bestreitet Pläne für einen Personalabbau. Wie glaubwürdig ist das Dementi?

Der angekündigte Führungswechsel bei Air Berlin sorgt für Unruhe bei den 9082 Mitarbeitern der Fluggesellschaft. Weil der designierte Konzernchef Hartmut Mehdorn sich in seiner Zeit bei der Deutschen Bahn einen Ruf als ebenso erfolgreicher wie kompromissloser Sanierer erworben hat, fürchten die Mitarbeiter jetzt harte Sparmaßnahmen und einen Stellenabbau bei Air Berlin.

Ganz unbegründet ist die Sorge nicht: Nach einem operativen Minus (Ebit) von 220,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2011 und einem Netto-Konzernverlust von 106,3 Millionen Euro im Vorjahr hatte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Die von ihm vor knapp 20 Jahren gegründete Fluggesellschaft hat seit 2007 kein Geld mehr verdient, der Börsenkurs ist seither von mehr als 1,7 Milliarden auf gut 200 Millionen Euro eingebrochen. Mehdorn war von 1999 bis 2009 Chef der Deutschen Bahn und hat in dieser Zeit, um Zukäufe bereinigt, mehrere Zehntausend Arbeitsplätze abgebaut. "Natürlich kommt auch Air Berlin jetzt nicht um einen Jobabbau herum", sagte gestern Metzler-Analyst Jürgen Pieper, "dafür haben die den Mehdorn ja geholt."

Info

Aktionärsstruktur bei Air Berlin

- Streubesitz: 56,73 Prozent

- ESAS Holding: 16,48 Prozent

- Hans-Joachim Knieps: 7,51 Prozent

- Leibniz-Service/TUI Travel: 6,85 Prozent

- Reidun Lundgren: 5,97 Prozent

- Werner Huehn: 3,82 Prozent

- Joachim Hunold: 2,67 Prozent

Experten gehen von Stellenstreichungen aus

Während ein Air-Berlin-Sprecher am Freitag sagte, ein Arbeitsplatzabbau sei "nicht in Sicht", begründet Pieper seine Prognose mit der von Air Berlin selbst angekündigten Streichung von Flugstrecken und der Reduzierung der Flotte von 168 auf 160 Flugzeuge. Noch im laufenden Jahr will die Airline 7500 Flüge streichen und im kommenden Jahr weitere 16.000. "Das macht man, um Kosten zu senken, und der größte Kostenblock ist das Personal", sagte Pieper. Er rechnet damit, dass Mehdorn "mittelfristig mindestens 500 Stellen" streichen wird.

Auch Ex-LTU-Chef Jürgen Marbach, der den Düsseldorfer Ferienflieger 2007 für 140 Millionen Euro an Air Berlin verkauft hat und etwas über ein Prozent an Air Berlin hält, geht von einem Stellenabbau aus: "Ich glaube schon", sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung auf die entsprechende Frage, "das muss aber nicht unbedingt betriebsbedingte Kündigungen bedeuten, man kann so was auch über natürliche Fluktuation regeln."

Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, hält einen Jobabbau bei Air Berlin ebenfalls für möglich, aber zugleich auch für unbegründet: Im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften wie etwa der Lufthansa seien die Personalkosten bei Air Berlin heute schon deutlich kleiner. "Trotzdem macht die Lufthansa die Gewinne und Air Berlin die Verluste. An den Personalkosten kann es also nicht liegen", so Handwerg. In der Tat ist der Personalaufwand von Air Berlin abgesehen vom Marketing gegenwärtig die einzige Kostenkurve, die nicht nach oben zeigt. Den größten Kostenzuwachs hat Air Berlin aktuell bei der seit Jahresanfang erhobenen Ticketsteuer (44,5 Millionen Euro, wird aber an die Kunden weitergereicht) und den Spritkosten (plus 71 Millionen, jeweils Vergleich zweites Quartal zum Vorjahres-Quartal) zu verzeichnen.

Das unter Hunolds Führung bisweilen angespannte Verhältnis zu Gewerkschaften beschreibt Handwerg inzwischen als "konstruktiv". Auch Betriebsräte seien bei Air Berlin im Aufbau. Von Mehdorn erhofft der Gewerkschafter sich die Aufgabe der bisherigen Hybrid-Strategie, die zugleich die Etablierung als Billig-, Geschäfts-, Ferien- und Linienflieger vorsah. "Das war mir zu viel Hybrid und zu wenig Strategie", so Handwerg.

Quelle: RP

 
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