Trotz Krise!: Sorgenkind Telekom steigert den Gewinn
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 06.08.2009 - 09:43Bonn (RPO). Lange war der rosa Riese als graue Maus verschrien: Doch ausgerechnet in der Krise legt die Deutsche Telekom bei Umsatz und Gewinn zu. Vor allem das Auslandsgeschäft bescherte den Bonnern im zweiten Quartal gute Zahlen - in Deutschland gehen die Kunden lieber zur Telekom-Konkurrenz.
Die Deutsche Telekom bereitet ihren Aktionären bereits seit einigen Jahren keine Freude. Während die ausländische Konkurrenz in den letzten Jahren weltweit auf Shoppingtour ging, tat sich bei dem deutschen Ex-Monopolisten wenig. Erst in der Ära Obermann kam etwas Bewegung in den oftmals angestaubt wirkenden Laden. Die Zukäufe und die Sparprogramme, die auf das Konto des Vorstandschefs gehen, zeigen endlich Wirkung - und das ausgerechnet in der Krise, wo andere deutsche Vorzeigeunternehmen tiefrote Zahlen schreiben.
Nicht so die Telekom: Die Solidität, die man dem Unternehmen in guten Zeiten ankreidete, zahlt sich nun aus. Der Umsatz stieg in dem Zeitraum von April bis Juni um 7,4 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro, der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 8,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Damit lagen die Zahlen im Rahmen der Analystenerwartungen.
- Die Deutsche Telekom ist Europas größter Telekommunikationskonzern
- Der Konzern ist in 50 Ländern vertreten und beschäftigt rund 260 000 Mitarbeiter
- Mehr als die Hälfte des Konzern-Jahresumsatzes - zuletzt 61,7 Milliarden Euro (2008) - wird im Ausland erwirtschaftet.
- Geschäftsfelder sind die Sparten T-Home (Festnetz), T-Mobile (Mobilfunk) und T-Systems (Service für Großunternehmen).
- Die Telekom ist seit November 1996 börsennotiert.
- Vorstandschef ist seit November 2006 René Obermann.
Vor allem die Beteiligung an dem griechischen Telekommunikations-unternehmen Hellenic Telecom (OTE), das vorwiegend auf dem Balkan tätig ist, zahlte sich für die Telekom aus. Erst seit diesem Jahr wirde der Anteil an OTE konsolidiert, also in die Bilanz einbezogen: Die Beteiligung steuerte 1,5 Milliarden Euro zum Umsatz und 0,5 Milliarden Euro zum Ebitda bei. Unter dem Strich verbuchten die Bonner einen Nettogewinn von 521 Millionen Euro nach einem Überschuss von 394 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Zudem begann das im April gestartete Maßnahmenpaket für das Geschäft in den USA, Großbritannien und Polen zu wirken. In allen drei Ländern seien die operativen Kosten gesunken und die Ebitda-Margen im Vergleich zum ersten Quartal gestiegen. "Wir haben in einem schwierigen Umfeld zum richtigen Zeitpunkt konsequent gegengesteuert", sagte Obermann.
In Deutschland sieht es für die Telekom nicht so gut aus. Im heimischen Festnetzgeschäft büßte das Unternehmen erneut beim Umsatz ein, und zwar um fünf Prozent - bedingt durch den Verlust herkömmlicher Anschlüsse, rückläufige Nutzungsentgelte für die Wettbewerber und die Beliebtheit der Komplettpakete mit Flatrates.
Angesichts des zweiten Quartals, wo das Licht eindeutig den Schatten überwog, herrscht in Bonn Optimismus. "Die Zahlen des zweiten Quartals stimmen uns zuversichtlich für das Gesamtjahr", erklärte Obermann. "Wir bestätigen entsprechend unsere Prognose für 2009". Für 2009 geht die Telekom davon aus, dass das bereinigte Konzern-Ebitda zwei bis vier Prozent unter dem Vorjahreswert von 19,5 Milliarden Euro liegen wird. OTE wird jedoch hinzugerechnet.
Mit Agenturmaterial.
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