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27 Millionen Euro: Sozialplan für Lehman-Opfer

VON MAXIMILIAN PLÜCK - zuletzt aktualisiert: 29.05.2009 - 07:32

Düsseldorf (RP). Die Citibank hat sich mit der Verbraucherzentrale NRW auf ein Entschädigungssystem für Anleger geeinigt, die durch die Pleite von Lehman Brothers Geld verloren haben. Von den 27 Millionen Euro profitieren vor allem Senioren.

Kein Name steht so sehr für die Finanzkrise wie "Lehman Brothers". Mit der Insolvenz der US-Bank im September 2008 begann nicht nur die rasante Talfahrt an den internationalen Börsen. Zehntausende deutsche Kleinanleger hatten auf Anraten ihrer Bankberater Lehman-Zertifikate gekauft – oftmals ohne ausreichend über die Risiken informiert worden zu sein. Vor allem Citibank-Kunden hatten auf ihre Bank gehört, in großem Maßstab zugegriffen und alles verloren. Doch für einige von ihnen gibt es seit gestern wieder etwas Hoffnung. Das Kreditinstitut reagiert auf die anhaltende Kritik an seiner Verkaufsstrategie und will zumindest ein Viertel seiner hiesigen Kunden entschädigen.

27 Millionen Euro hat die Citibank dafür bereitgestellt. Die Bank hat mit der Verbraucherzentrale NRW ein System entwickelt, das die Höhe der Entschädigung möglichst transparent berechnen soll. Zwischen 30 und 80 Prozent des ursprünglich investierten Betrages können diese Kunden zurückerhalten.

Die Höhe richtet sich dabei nach Kaufdatum, dem Alter des Käufers, seinem Vermögen der Anlagestrategie, dem Risikoprofil und dem Anteil der Lehman-Papiere am Portfolio. Im Klartext: Es ist ein Sozialplan für Papier-Käufer, bei dem ältere, weniger gut informierte Menschen am meisten Geld bekommen. Wer sich für das Angebot entscheidet, tritt damit all seine Rechtsansprüche gegen die Citibank ab. Eine Klage ist dann nicht mehr möglich. Die Bank rechnet damit, dass sie im Durchschnitt etwa 50 Prozent an die Kunden auszahlen wird.

Alle Citibank-Kunden, die sich bereits bei der Bank beschwert haben, werden in den kommenden Tagen per Brief über diese "Kulanzregelung" informiert. Selbst noch einmal aktiv werden müssen sie nicht. Dies gilt auch für die 1000 Kunden, die sich seit dem Lehman-Zusammenbruch direkt an die Verbraucherzentrale NRW gewendet haben. Auch ihre Ansprüche werden unaufgefordert geprüft. Citibank-Kunden, die zu keiner der beiden Kategorien zählen, können sich noch bis zum 31. Dezember registrieren lassen. Dies ist kostenfrei per Telefon (Tel. 08000 11335577, montags bis freitags 8 bis 20.30 Uhr), per Fax (0203 34716070) oder per Brief (Citibank Privatkunden AG & Co. KGaA, "Kulanzlösung", Postfach 100214, 47002 Duisburg) möglich.

Wie hoch der Betrag im Einzelfall ausfallen könnte, lässt sich seit gestern auf der Internetseite der Verbraucherzentrale (www.vz-nrw.de/lehmanrechner) berechnen. Driften die Vorstellungen von Bank und Kunde auseinander, soll eine Schiedsstelle vermitteln.

Die Bank scheint für die Zukunft aus der aktuellen Misere gelernt zu haben: "Wir werden unsere Arbeit langfristiger und nachhaltiger ausrichten", sagte Citibank-Chef Franz Josef Nick gestern. Gemeint ist: Die Bank verabschiedet sich von ihrer bisherigen Verkaufsstrategie, die den Bankberatern umso höhere Provisionen bringt, je riskanter die vertrieben Wertpapiere ausfallen. Stattdessen sollen künftig die Berater finanziell belohnt werden, die die Kunden langfristig ans Unternehmen binden.

Quelle: RP

 
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