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Sparbuch Panorama, ddp 2009-1027
  Foto: ddp, ddp
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Gestiegenes Sicherheitsbewusstsein: Sparbuch erlebt bei Deutschen ein "Comeback"

zuletzt aktualisiert: 27.10.2009 - 14:22

Berlin (RPO). Festgeldkonto statt Aktie, Bundesschatzbrief statt Anleihe - viele Anleger haben aus der Finanzkrise den Schluss gezogen, dass man gar nicht konservativ genug sparen kann. Bei der Anlage gilt die Devise: Hauptsache sicher. Zum Weltspartag am kommenden Freitag stellten die Bankenverbände außerdem Berechnungen vor, wonach die Deutschen so viel Geld beiseitelegen wie lange nicht mehr. Die Finanzkrise hat für einen Bewusstseinswandel gesorgt.

Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) stieg die Sparquote im vergangenen Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 11,2 Prozent. Zum gleichen Ergebnis kam vor kurzem auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die Deutschen sparten damit einen so hohen Anteil ihres Nettoeinkommens wie zuletzt zu Beginn der 90er Jahre. Für das laufende Jahr sagen die Volksbanker eine gleichbleibend hohe Quote voraus. Unterstützt wird diese Prognose von den Zahlen des Statistischen Bundesamts für das erste Halbjahr.

Vor der Krise waren Sparbücher out

In den Jahren vor der Finanzkrise hatten die traditionellen Formen des Sparens zu kämpfen. Vielen Anlegern erschienen Sparkassen und Volksbanken mit ihren vergleichsweise hohen Gebühren und niedrigen Zinsen als Auslaufmodell. Sparbücher waren out. Direktbanken überboten einander mit Spitzenzinsen auf Tagesgeld. Ausländische Geldhäuser wie die isländische Kaupthing Bank warben mit attraktiven Zinsen. Zertifikate wie die der Lehmann-Bank boten überdurchschnittliche Renditen. Dann kam die Krise.

Heute fühlen sich Lehmann-Anleger betrogen, Kaupthing-Kunden mussten lange um ihr Geld kämpfen. Als das internationale Bankensystem im Herbst 2008 kurz vor dem Zusammenbruch stand, zahlten panische Anleger plötzlich größere Summen bei Sparkassen ein, weil das Geld dort am sichersten schien.

2008 verlor jeder Deutsche im Schnitt 3.150 Euro

Wie groß der Bewusstseinswandel durch die Krise ist, zeigen die aktuellen Zahlen. Anleger flüchteten aus Aktien - rund 45 Milliarden Euro zogen sie im Jahr 2008 aus dieser Anlageform ab. Gleichzeitig stiegen die Einlagen bei Kreditinstituten um rund 96 Milliarden Euro - noch 2006 waren es nach den DSGV-Zahlen nur 24,8 Milliarden Euro.

Obwohl die Bundesbürger im vergangenen Jahr 120 Milliarden Euro neu anlegten, lag das Brutto-Geldvermögen den DSGV-Zahlen zufolge immer noch um 139 Milliarden Euro unter dem Stand des Vorjahres. Pro Kopf verlor jeder Deutsche 3.150 Euro. Schuld waren vor allem die gesunkenen Aktienkurse. Mittlerweile haben sich die Kurse zwar wieder deutlich erholt. Dennoch zogen viele Anleger aus den Ereignissen des Jahres 2008 offenbar eine Lehre.

Das Vermögensbarometer des Sparkassenverbands, das auf einer repräsentativen Studie beruht, verzeichnet einen deutlichen Vertrauensgewinn für Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Groß- und Direktbanken schneiden in der Untersuchung nicht sonderlich gut ab.

Das Sparbuch erlebt ein Comeback

Vertrauen und Sicherheit sind seit der Krise Trumpf. Das zeigt auch eine kürzlich vorgestellte Studie der Postbank. Das Ergebnis: Das Eigenheim als Bastion für das Alter wird immer beliebter. Trotz der - auch im internationalen Vergleich - hohen Sparquote steigt derweil die Verunsicherung über die ausreichende Absicherung im Alter. Das DSGV-Vermögensbarometer verzeichnet wachsende Zweifel der Bürger, finanziell gut vorgesorgt zu haben.

Auch die Postbank-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass viele Berufstätige massive Zweifel haben, ob sie im Alter ausreichend über die staatliche Rente oder private Vorsorge abgesichert sind. Wegen der alternden Bevölkerung werden die Deutschen in Zukunft noch sehr viel sparen müssen, um den liebgewonnenen Lebensstandard zu halten. Passend dazu erlebt das gute alte Sparbuch, einst als verstaubt und unrentabel gescholten, derzeit ein Comeback.

Quelle: AP/csr

 
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