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VW-Aktie zeitweise über 1000 Euro: Spitzenmanager greift Porsche an

zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 - 14:30

Wolfsburg (RPO). Das verrückte Kursfeuerwerk der Volkswagen-Aktie ruft in Börsenkreisen scharfe Kritik hervor. Der Vorwurf: Porsche manipuliere in unverantwortlicher Weise den VW-Kurs. Zeitweise war der Wert des Wertpapiers am Dienstag auf über 1000 Euro gestiegen. Die Finanzaufsicht prüft den Vorfall, sieht bislang aber keinen Grund zum Einschreiten.

Volkswagen benötigt finanzielle Hilfen.  Foto: AP, AP
Volkswagen benötigt finanzielle Hilfen. Foto: AP, AP

Am Vormittag wurden auf dem Börsenparkett kurzzeitig 1005 Euro für die VW-Aktie bezahlt, am frühen Nachmittag lag der Kurs bei 775 Euro, etwa 50 Prozent über dem Vortag. Der Chef der Deutsche-Bank-Fondstocher DWS, Klaus Kaldemorgen, greift deswegen Porsche offen an. Er kritisiere, "dass ein Unternehmen wie Porsche in unverantwortlicher Art und Weise den VW-Kurs manipuliert", sagte Kaldemorgen laut "Financial Times Deutschland".

VW-Hauptaktionär Porsche hatte mit seinem verstärkten Engagement bei dem Wolfsburger Autobauer den nie dagewesenen Kurssprung ausgelöst. Der VW-Kurs war schon am Montag um mehr als 150 Prozent auf 520 Euro gestiegen. Porsche hatte am Sonntag erklärt, der Konzern habe Zugriff auf 74,1 Prozent der VW-Aktien, davon 31,5 Prozent als Optionen.

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Kaldemorgen kritisierte, es könne nicht sein, dass ein Wert aufgrund des geringen Streubesitzes an einem Tag um 100 Prozent steige. Da das Land Niedersachsen 20,2 Prozent der Aktien besitzt, sind nur noch 5,7 Prozent im Streubesitz. Die Deutsche Börse erklärte, es gebe keine Hinweise auf nicht ordnungsgemäßen Handel.

Die Finanzaufsicht analysiert den Handel routinemäßig auf Auffälligkeiten. Bis jetzt gibt es nach Angaben einer Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht aber keine formelle Untersuchung des Handels mit der VW-Aktie.

Porsche will Anteil 2009 auf 75 Prozent aufstocken

Nach Ansicht von Aktienexperten ist der Kursanstieg von sogenannten Leerverkäufern ausgelöst worden. Die Spekulanten hatten offenbar nach dem massiven Anstieg der VW-Aktie bereits in der Vergangenheit auf fallende Kurse gesetzt. Als aber der VW-Kurs weiter stieg, mussten sie gegen ihre Erwartung nachkaufen. Dadurch könnte der Kurs weiter gestiegen sein. Porsche hatte erklärt, das Unternehmen sei nicht mit Aktienkäufen aktiv.

Porsche will im nächsten Jahr den VW-Anteil auf 75 Prozent aufstocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag über VW frei machen. Ein Porsche-Sprecher hatte erklärt, mit der Übernahme-Ankündigung wolle man die Märkte beruhigen. "Der Kurs der VW-Aktie war völlig irrational", sagte der Sprecher.

Nachdem Porsche am Wochenende Klarheit über seine Pläne geschaffen habe, rechne er beim Aktienkurs damit, dass sich in ein oder zwei Monaten die Lage entspannen werde. Er erinnerte daran, dass Porsche erst im November/Dezember 2008 die 50-Prozent-Hürde bei VW nehmen wolle.

Der Porsche-Sprecher machte klar, sein Unternehmen sei nicht an Aktienkäufen bei VW zu irrationalen Preisen interessiert. Dadurch würde langfristig für Porsche ein hoher Abschreibungsbedarf entstehen, wenn der VW-Kurs wie erwartet wieder fällt. Die Aufstockung auf 74,1 Prozent an den VW-Stammaktien habe sich Porsche bereits über Optionen gesichert.

Insgesamt gute Stimmung an den Börsen

Nach der Talfahrt zu Wochenbeginn haben sich die internationalen Aktienmärkte indes zunächst in freundlicher Stimmung präsentiert. Der Deutsche Aktienindex DAX legte bis zum Mittag auf 4642 Zähler zu. Zeitweise hatte das wichtigste deutsche Börsenbarometer knapp 11 Prozent auf 4800 Punkte zugelegt.

Ursache war auch der rasante Anstieg der VW-Aktie, die zeitweise bei knapp 1.000 Euro notierte. Am Mittag lag das Papier noch mit 29,7 Prozent im Plus bei 674 Euro. Bereits am Vortag war die Aktie in die Höhe geschossen, ausgelöst hatte das Kursfeuerwerk der Volkswagen-Hauptaktionär Porsche mit seinem verstärkten Engagement bei dem Wolfsburger Autobauer.

Aber auch bei MDAX und TecDAX zeigten die Kurse am Dienstag nach oben. Kursgewinne gab es ebenfalls an den Börsen in Paris und London. Zuvor hatten die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte nach den drastischen Verlusten vom Wochenstart wieder deutlich zugelegt. In Tokio stieg der Nikkei um 6,41 Prozent oder 459,02 Punkte auf 7.621,92 Zähler. Am Montag hatte der japanische Leitindex noch um über 6 Prozent nachgegeben und ein 26-Jahres-Tief erreicht. Zudem stieg der Dollar gegenüber dem Yen wieder, was die exportorientierten Aktienwerte im Nikkei deutlich zulegen ließ. Hongkongs Hang-Seng-Index stieg nach Verlusten von 12 Prozent am Vortag am Dienstag wieder deutlich an, um 14,4 Prozent.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: ap

 
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