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Bei ProSieben-Verkauf: Springer darf sich Hoffnungen auf Übernahme machen

zuletzt aktualisiert: 13.01.2006 - 17:47

Berlin (rpo). Noch immer ist nicht das letzte Wort bei den Plänen des Springer-Verlags zur Übernahme der Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media AG gesprochen. Jetzt soll US-Medienunternehmer Haim Saban offenbar zu neuen Gesprächen mit Springter-Vorstandschef Mathias Döpfner bereit sein. In der kommenden Woche sollen die beiden zusammentreffen.

"Das werden harte Gespräche", zitierte die "Financial Times Deutschland" einen Verlagsmitarbeiter. Jüngster Interessent für ProSieben ist der Abo-Sender Premiere von Georg Kofler. Man beobachte die Entwicklung, sagte Premiere-Sprecher Dirk Heerdegen am Freitag auf Anfrage in München. Es müsse sich aber um "vernünftige Konditionen" handeln. Konkrete Verhandlungen gebe es aber nicht.

Der Verlag Axel Springer hatte sich am Mittwoch bereit erklärt, auf ProSieben zu verzichten, um vom Kartellamt doch noch grünes Licht für den Zusammenschluss mit den verbleibenden Sendern der ProSiebenSat.1 Media AG - Sat.1, N24 und Kabel 1 - zu bekommen. Auch die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), die den Zusammenschluss unter Gesichtspunkten der Presse- und Meinungsvielfalt abgelehnt hatte, stellte in diesem Fall eine Zustimmung in Aussicht. Kartellamts-Chef Ulf Böge unterstrich, sollte der Springer-Konzern einen Käufer für ProSieben finden, werde seine Behörde genau prüfen, dass es keine Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus gebe.

Das Nein der KEK zur Übernahme wird auch nach Angaben der Landesmedienanstalten keinen Bestand haben. Die Landesanstalten erklärten nach einem Treffen am Freitag in Hannover, dass durch den von Springer angekündigten Verkauf des Senders ProSieben ein neuer Sachverhalt eingetreten sei. Dies müsse die bisherige Entscheidung der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) "wesentlich verändern und zu einer Neubewertung führen". Anderenfalls kündigten die Direktoren der Landesmedienanstalten ihr Veto gegen das Nein der KEK an. Er erwarte nicht, "dass dieser Beschluss Bestand haben wird", erklärte der Vorsitzende Reinhold Albert.

Ausländische Investoren interessiert 

Zeitungsberichten zufolge sind außerdem eine Reihe ausländischer Investoren, darunter der französische Sender TF1 und die internationalen Konzerne CME und SBS, an dem auf mittlerweile bis zu zwei Milliarden Euro geschätzten Sender interessiert.

Springer allerdings müsste bei einem Verkauf noch in diesem Jahr mit Steuern auf den Veräußerungsgewinn im dreistelligen Millionenbereich rechnen, hieß es. Auch bei ProSiebenSat.1 gibt es weiterhin Vorbehalte gegen eine Abspaltung des Senders, weil damit Synergien insbesondere bei der Werbezeitvermarktung und beim Spielfilmeinkauf verloren gingen.

"Das wird eine Herkules-Aufgabe", zitiert der "Tagesspiegel" aus dem Umfeld Döpfners. Der Kaufvertrag müsse neu verhandelt, das gesamte Verfahren neu aufgerollt, und alle Interessenten müssten unter einen Hut gebracht werden. Dennoch gelte der Verzicht auf ProSieben für den Verlag als "zweitbeste Lösung". Das Ziel, neben dem Printgeschäft ein zweites starkes Standbein im deutschen Fernsehmarkt zu bekommen, könne auch so erreicht werden.

Indessen entschieden die Landesmedienanstalten, vorerst nicht gegen das Nein der KEK vorzugehen. Durch den von Springer angebotenen Verkauf von ProSieben würde ein neuer Sachverhalt eintreten, der die Entscheidungsgrundlagen der KEK wesentlich verändern und zu einer Neubewertung führen müsste.

Quelle: afp

 
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