Martin Blessing soll Commerzbank-Chef werden: Spross einer Banker-Dynastie
zuletzt aktualisiert: 06.11.2007 - 15:46Frankfurt/Main (RPO). Martin Blessing soll nach Willen des Aufsichtsrats neuer Chef der Commerzbank werden. Für den 44-Jährigen war eine Karriere im Finanzsektor vorgezeichnet: Er stammt aus einer Banker-Dynastie. Großvater Karl war Präsident der Bundesbank, Vater Werner Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bank.
Martin Blessing selbst sitzt seit November 2001 im Vorstand der Bank und soll die Führung des Instituts im Mai 2008 übernehmen.
Der 44-Jährige hat eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen: Er sanierte das Privatkundengeschäft und baute die Mittelstandsbank auf, inzwischen das renditestärkste Segment des Instituts. Zudem organisierte er die Expansion der Commerzbank nach Osteuropa.
Der in Bremen geborene Blessing wird als zielstrebig, ehrgeizig, aber auch locker im Umgang und völlig unprätentiös beschrieben. Er trägt Swatch statt Rolex und Freundschaftsbändchen von seinen Töchtern. Andererseits scheut er Konflikte nicht: Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen bei der Sanierung der Commerzbank sorgten für Empörung auf der Arbeitnehmerseite.
Mit seiner Herkunft aus einer Banker-Dynastie habe Martin Blessing keine Probleme, heißt es aus seiner Umgebung. Er sei seinen eigenen Weg gegangen. Nach einer Banklehre bei der Dresdner Bank studierte er Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main und in St. Gallen, wo er auch seine Frau Dorothee kennenlernte. 1988 erwarb er den Grad eines Master of Business Administration (MBA) an der Universität von Chicago.
Mit nur 31 Jahren wurde er Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey. 1997 kehrte Blessing zur Dresdner Bank zurück. Dort war er für das Privatkundengeschäft verantwortlich und stand von 2000 bis 2001 an der Spitze der inzwischen eingestellten Direktbank-Tochter Advance Bank.
Mit dem Finanzplatz Frankfurt ist der begeisterte Jogger und gelegentliche Marathon-Teilnehmer Blessing auch noch auf andere Weise eng verbunden. Seine Frau Dorothee, mit der er drei Töchter hat, ist Partnerin bei der Investmentbank Goldman Sachs in Frankfurt. Ihr Bruder Axel Wieandt ist bei der Deutschen Bank für die Konzernstrategie zuständig.
Der jüngere Bruder Carl Wieandt ist Partner bei McKinsey. Und Blessings im Frühjahr verstorbener Schwiegervater Paul Wieandt, zuletzt Vorstandschef und Sanierer der Bank für Gemeinwirtschaft, galt als Graue Eminenz des deutschen Kreditwesens schlechthin, deren Rat in schwierigen Situationen immer wieder gefragt war.
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