Übernahmeangebot bis Mitternacht: Staatlicher SoFFin hält mehr als ein Fünftel an HRE
zuletzt aktualisiert: 04.05.2009 - 14:31Frankfurt/Main (RPO). Der Staat will eine Mehrheit der Anteile der Hypo Real Estate (HRE) kontrollieren. Bis Montag um Mitternacht läuft die Annahmefrist für das Übernahmeangebot des Bundes. Wie nun bekannt wurde, hält der staatliche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) mittlerweile bereits 22,62 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der angeschlagenen Immobilienbank.
Bereits einen Tag vor Ablauf des Übernahmeangebots für die marode Hypo Real Estate hat der Bund den US-Investor Christopher Flowers als größten Aktionär der Immobilienbank abgelöst. Dem staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin wurden bis vergangenen Donnerstag 13,96 Prozent der HRE-Anteile verkauft, teilte dieser am Montag mit. Damit stieg der Bundesanteil mit den bisher schon gehaltenen 8,65 Prozent auf 22,62 Prozent. Am (heutigen) Montag läuft um Mitternacht die Annahmefrist für das Übernahmeangebot des Bundes ab.
Die HRE schreibt einem Bericht zufolge unterdessen weiter hohe Verluste. Die Bank werde bei Vorlage der Zahlen am (morgigen) Dienstag einen Quartalsverlust von rund 500 Millionen Euro ausweisen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Der Bund will die HRE mit einer Finanzspritze von bis zu 5,6 Milliarden Euro retten und damit zugleich mindestens 90 Prozent der Aktien übernehmen. Der US-Investor und Großaktionär Flowers will die Verstaatlichung allerdings verhindern und seine Anteile halten.
Er hat das Übernahmeangebot des Bundes von 1,39 Euro je Aktie ausgeschlagen und auch juristische Schritte im Falle einer Enteignung nicht ausgeschlossen. Investoren um Flowers und ein weiterer Fond halten zusammen 21,7 Prozent der Aktien. Dabei wollen von Flowers beratene Investoren, die weniger als 1 Prozent der HRE-Anteile halten, ihre Aktien verkaufen, wie ein Flowers-Sprecher am Montag sagte.
Investoren pokern bis zum Schluss
Erfahrungsgemäß reizen viele Investoren bei Übernahmeangeboten die Frist aus. In der vergangenen Woche konnte der Bund seine HRE-Anteile kontinuierlich steigern. "Ob aber auch die 50 Prozent geknackt werden, ist offen", zitierte das "Handelsblatt" aus Finanzkreisen. Eine klare Mehrheit würde den Übernahmeprozess vereinfachen. Viele Hedge-Fonds hielten kleine Aktienpakete von zwei bis fünf Prozent an der HRE, hieß es. "Sie sind bereit, bis zu letzten Minute zu pokern", zitierte das Blatt einen Insider.
Der Bund braucht auf der Hauptversammlung am 2. Juni eine einfache Mehrheit des anwesenden Kapitals, um per Kapitalerhöhung 90 Prozent zu übernehmen und dann die bisherigen Aktionäre aus der Bank zu drängen. Gelingt das nicht, will Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Flowers und die übrigen Aktionäre enteignen.
Wie das "Handelsblatt" berichtete, verhindert nur die bevorstehende Rettung durch den Bund die Schließung der HRE. Denn unter Berücksichtigung des Milliardenverlusts im vergangenen Jahr und des neuerlichen Quartalsverlusts sei die Kernkapitalquote bereits unter die regulatorische Mindestgrenze von vier Prozent gefallen. HRE-Vorstandschef Axel Wieandt hatte bereits angekündigt, dass der Konzern wohl in diesem und im nächsten Jahr noch rote Zahlen schreiben werde. Die Bank wird seit Monaten nur noch durch staatliche und private Garantien in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt.
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