Einmaliger Vorgang: Stahlmangel: Nissan stoppt Autoproduktion
zuletzt aktualisiert: 25.11.2004 - 15:21Tokio (rpo). Erstmals in seiner Geschichte muss der japanische Autobauer Nissan seine PKW-Produktion wegen Stahlmangels unterbrechen. 25.000 Fahrzeuge können aufgrund des Materialmangels nicht gebaut werden. In drei von vier Fabriken würden die Bänder zwischen dem 29. November und dem 8. Dezember für insgesamt fünf Tage angehalten.
Das teilte der zweitgrößte japanische Fahrzeughersteller in Tokio mit. Dadurch würden 25. 000 Autos nicht gebaut. Experten schlossen Engpässe bei anderen Autobauern in Japan nicht aus. Sie sind demnach aber unwahrscheinlicher als bei Nissan. Der Stahlkonzern Arcelor erklärte, in Europa sei wegen anderer Marktbedingungen nicht mit Engpässen zu rechnen.
"Das ist ein nie da gewesener Vorfall", sagte ein Nissan-Sprecher. Wegen großer Nachfrage habe der Konzern zuletzt mehr produziert als geplant; nun fehlten Stahlkomponenten. Nissan hofft, den Produktionsausfall im Januar wieder wettmachen zu können.
Lee Peart, Auto-Analyst des World Markets Research Centre in London, sagte, Nissans neue Modelle hätten sich als sehr populär erwiesen, was zu einem akuten Teilemangel geführt habe. Es sei möglich, dass auch andere Autobauer von ähnlichen Problemen betroffen sein könnten. Derzeit sehe es aber nach einem isolierten Vorfall aus. Die Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" sah in dem Versorgungsengpass eine Folge des Sparkurses von Nissan-Chef Carlos Ghosn. Durch diesen sei die Zahl der Zulieferer so stark reduziert worden, dass es nun zu Engpässen komme. Peart sagte, bei Konkurrenten wie Toyota sie das Risiko in diesser Hinsicht geringer.
Japans größter Stahlkonzern Nippon Steel Corp. erklärte, er sei nicht in der Lage, Nissans Anfrage nach "einer drastischen Erhöhung der Lieferungen" zu erfüllen. Das Unternehmen produziere schon mit voller Kapazitätsauslastung. Nippon-Steel-Sprecher Hiroshi Nakashima verwies auf die angespannte Versorgungslage auf dem Stahlmarkt, die durch die hohe Nachfrage aus China verursacht werden. Nippon Steel ist Nissans größter Stahllieferant.
Der Stahlkonzern Arcelor, weltweit die Nummer zwei im Stahlgeschäft, kündigte an, seine Lieferungen von Autostahl im kommenden Jahr um fünf Prozent erhöhen zu wollen. Damit trage das Unternehmen der gestiegenen Nachfrage auf dem Weltstahlmarkt Rechnung, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Seinen Worten zufolge ist die Lage in Europa aber nicht so angespannt wie in Japan. "Deshalb gehen wir davon aus, die Nachfrage unserer Kunden immer erfüllen zu können." Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte sich Anfang der Woche besorgt über die stark gestiegenen Stahlpreise gezeigt und eine Weitergabe eines Teils der Mehrkosten an die Käufer nicht mehr ausgeschlossen.
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