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Start-up Zamaro
Kleidertausch 2.0

Start-up Zamaro: Kleidertausch 2.0
Die Startseite von Zamaro. FOTO: Screenshot Zamaro
München. 65,4 Millionen Kleidungsstücke verstauben in deutschen Schränken. Das Start-up Zamaro aus München möchte damit Schluss machen. Von Ludwig Krause

Dies könnte die romantische Geschichte einer Idee sein, die im Hinterzimmer eines kleinen Krämerladens geboren wurde. Die eines italienischen Händlers, dessen Familienname Zamaro seit Generationen in goldenen Lettern über der Ladentür steht. Zumindest eine dieser Geschichten, die mit Tüftlern in einer Garage beginnen. Das alles ist Zamaro nicht.

Zamaro ist ein Start-up, das von Anfang an dazu bestimmt war, in möglichst kurzer Zeit schnell und nachhaltig zu wachsen. Nirgendwo wird das Kalkül deutlicher als beim Namen. "Wir haben mit bereits existierenden Namen herumgespielt. Am Ende kam eine Mischung aus Zalando und Amazon heraus", sagt der 36-jährige Gründer und Geschäftsführer Florian Seubert. Die Idee brauchte eine Marke.

Kleidung eintauschen

Bei Zamaro können Nutzer unliebsame Kleidung gegen gebrauchte eintauschen. Dabei schickt man seine in Ungnade gefallenen Stücke ein, das Unternehmen sichtet die Kleidung, fotografiert sie und stellt sie auf die Plattform. Dafür fällt je Stück eine Gebühr zwischen 1,90 Euro und 5,90 Euro an.

Jedes eingeschickte Kleidungsstück wird mit Punkten bewertet. "Dabei orientieren wir uns an ihrem Neupreis", sagt Seubert. Die Punkte werden dem persönlichen Konto gutgeschrieben, mit denen geht man dann auf die Jagd nach Stücken, die andere Nutzer bei Zamaro eingestellt haben. So ist es auch möglich, sich mit vielen günstigen Kleidungsstücken ein teures leisten zu können. Gekauft werden können die Artikel nicht. Stücke, die nicht im Katalog landen, werden der Diakonie gespendet. "Unsere Nutzer wissen, welche Kleidung sie einschicken können und welche nicht. Wir müssen etwa fünf Prozent aussortieren", sagt Florian Seubert. Den größten Teil des Zamaro-Katalogs macht mittelpreisige Kleidung bekannter Ketten wie H&M aus.

Nachhaltigkeitsbewusstsein der Nutzer

Das Start-up setzt voll auf das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Nutzer. "Fast jeder hat Kleidung im Schrank, die er nicht mehr trägt", sagt Florian Seubert. "Trotzdem kaufen wir uns immer neue Stücke." Das bestätigt auch eine Studie, die das Institut TNS im Auftrag von Ebay durchgeführt und im August vorgestellt hat. Danach lagern 65,4 Millionen ungenutzte Modeartikel in Deutschlands Kleiderschränken. Dazu kommen 66 Millionen Damenhandtaschen, 37 Millionen Sonnenbrillen und 100 Millionen Schmuckstücke. Ware, die Zamaro wieder in Umlauf bringen möchte.

Florian Seubert ist als Investor bereits an mehreren Start-ups beteiligt gewesen. Zamaro schickt sich an, das erfolgreichste zu werden. Die Idee entstand bereits 2012, im März 2014 ging es an den Markt. "Wir haben zwei Jahre gebraucht, um die Software zu programmieren." Etwa 60 Mitarbeiter sind in München beschäftigt, sie sichten den Zustand der Kleidung, fotografieren die Stücke, lagern sie ein. "Die Kunst ist, das Geschäftsmodell möglichst effizient abzubilden", sagt Seubert. Etwa 150.000 registrierte Nutzer zähle Zamaro, damit sei man Marktführer bei Tauschplattformen im Internet. 300.000 Stücke befinden sich im Angebot. Kürzlich hat das Unternehmen eine 10.000 Quadratmeter große Lagerhalle in Poing bei München bezogen.

Das Portal konzentriert sich derzeit ausschließlich auf Damenmode. "Bei Männern ist das Thema Online-Shopping deutlich schwieriger", sagt Florian Seubert. Fernsehwerbung wird gezielt bei Spartensendern gezeigt. 80 Prozent der angebotenen Waren sind Bekleidung, 15 Prozent Schuhe, fünf Prozent Accessoires. "Wir überlegen derzeit, wie wir das Angebot noch ausweiten können", sagt Seubert. Neben Herren- und Kinderbekleidung ist auch Spielzeug im Gespräch. Immerhin: 98,9 Millionen Kinderspielzeuge verstauben laut TNS ungenutzt.

UPDATE: Im Juni 2016 häufen sich kritische Berichte über das Unternehmen. Unter anderem die "Berliner Morgenpost" berichtet von Kunden-Kritik an neuen AGB. Zudem laufen dem Bericht zufolge Kunden Gefahr, in eine Abo-Falle zu tappen.

Quelle: RP
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