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Verkauf an Stadtwerke: Steag soll Kernkraft aufgeben

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 15.12.2010 - 09:44

(RP). Die Grünen im Rat der Stadt Bochum drohen, den Steag-Verkauf an ein Konsortium von Stadtwerken platzenzulassen. "Wenn die Steag nicht verbindlich erklärt, dass die Kernkraft-Sparte aufgegeben wird, werden wir dem Kauf bei der Ratssitzung am Donnerstag nicht zustimmen", sagte gestern Grünen-Fraktionschef Wolfgang Cordes gegenüber unserer Redaktion.

Auch in Dortmund, wo der Stadtrat dem Verkauf der Evonik-Tochter an eine Gruppe aus sechs NRW-Stadtwerken ebenfalls noch zustimmen muss, beraten die Grünen derzeit über dieselbe Bedingung.

Am Montag hatte der Evonik-Vorstand sich entschieden, seine Kraftwerkstochter Steag an das Konsortium der Stadtwerke Duisburg, Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken verkaufen zu wollen. Da die Kommunen Eigentümer der Stadtwerke sind, müssen die Stadträte zustimmen. Grundsätzlich begrüßen die Grünen den Aufstieg der beteiligten Stadtwerke zu einem ernsthaften Rivalen für die NRW-Strom-Giganten Eon und RWE zwar. Aber woran sie sich stoßen: Die Steag hält 45 Prozent am Brennelementezwischenlager in Ahaus. Und dazu haben die Grünen eine bekannte Position: "Atomkraft? Nein Danke".

Die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf hatte sich trotzdem von Anfang an für den Verkauf der Steag an die Stadtwerke starkgemacht. Zehn Jahre, nachdem viele staatliche Stromanbieter privatisiert worden sind, vermissen viele Sozialdemokraten und Grüne inzwischen ihren politischen Einfluss auf die Energieversorgung im Land. Offiziell will sich deshalb in den rot-grünen Reihen Düsseldorfs niemand kritisch zu den Atom-Aktivitäten der Steag äußern. Hinter vorgehaltener Hand freuen sich aber mehrere grüne Parlamentarier darüber, dass die Bochumer Grünen diesen Part übernehmen.

Gerüchte, dass die Stadtwerke als neuer Steag-Eigentümer mehrere Steag-Kraftwerksblöcke in Lünen, Herne und Völklingen-Fenne schließen wollen, dementierte eine Steag-Sprecherin gestern auf Anfrage. "Das ist Unsinn", sagte sie. Was, wenn es denn stimmt, den Grünen auf Landesebene ebenfalls nicht gefällt. "Wir würden es durchaus begrüßen, wenn die Steag unter der Regie der Stadtwerke endlich ein paar Kohlestrom-Dreckschleudern schließt und stattdessen umweltfreundliche Energieproduktionen aufbaut", sagte gestern die energiepolitische Sprecherin der Grünen im NRW-Landtag, Daniela Schneckenburger.

Letzteres hat die Steag zumindest vor: In Herne soll nach Informationen unserer Redaktion ein neues GuD- (Gas und Dampf)-Kraftwerk entstehen.

Quelle: RP

 
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