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Stefan Quandt
Ein Milliardär mit Kunstsinn

Stefan Quandt: Ein Milliardär mit Kunstsinn
Stefan Quandt ist nicht nur Unternehmer, sondern auch Förderer der Kunst. FOTO: dpa, kde rho
Düsseldorf. Stefan Quandt entstammt einer der mächtigsten Dynastien der Republik, ist größter Aktionär beim Autohersteller BMW und einer der reichsten Deutschen. Am 9. Mai wird er 50 Jahre alt – und ist doch öffentlich fast unbekannt. Wer ist der Mann? Von Florian Rinke

Am Dienstag hat Stefan Quandt mehr als 300 Millionen Euro verloren. An einem Tag. Das ist mehr als viele Millionäre, die auf der Liste der reichsten Deutschen in den Top 500 auftauchen, überhaupt besitzen. Schuld war die Bilanz für das erste Quartal beim Autohersteller BMW. Das Unternehmen machte zwar einen Milliarden-Gewinn, aber weniger als erhofft. Quandt ist der wichtigste Aktionär. Den Tagesverlust dürfte er gelassen nehmen. Vor zehn Jahren standen die Papiere bei 41, heute bei 78 Euro. BMW hat Quandt sehr reich gemacht. Oder besser gesagt: noch reicher.

Nicht im Rampenlicht

Das "Manager Magazin" schätzt das Vermögen der Familie Quandt, zu der neben Stefan auch noch Schwester Susanne Klatten und weitere Verwandte gehören, auf 26,5 Milliarden Euro. Sie seien damit die reichste Familie Deutschlands - und gleichzeitig eine der unauffälligsten. Öffentlich treten sowohl Stefan Quandt als auch Susanne Klatten, der unter anderem der Weseler Spezialchemiekonzern Altana gehört, selten in Erscheinung. Die Familie gibt kaum Interviews, taucht nicht häufig auf Veranstaltungen auf. Auch seinen 50. Geburtstag am 9. Mai wird Stefan Quandt wohl eher abseits des öffentlichen Rampenlichts feiern.

Und doch gibt es kaum einen Namen, der solche eine Strahlkraft besitzt. Denn die Geschichte der Quandts ist auch eine Geschichte Deutschlands: Sie begann mit dem Aufstieg der Familie Ende des 19. Jahrhunderts. Produzierte man zunächst Tuche, investierten die Quandts später auch in weitere Industrieunternehmen. Ihre wirtschaftliche Macht sicherte ihnen auch die Nähe zu den Mächtigen - nicht immer zur Freude der heutigen Nachfahren.

Die Zeit des Nationalsozialismus ist die wohl dunkelste in der Familiengeschichte. Günther Quandt, Stefan Quandts Großvater, war in erster Ehe mit der späteren Magda Goebbels verheiratet. Als Rüstungsunternehmer verdiente er gut im Krieg, auch weil er Zwangsarbeiter in seinen Betrieben einsetzte. Auch Stefans Quandts Vater Herbert, der später die Geschicke des Unternehmens fortführen sollte, war Mitglied in der NSDAP.

Der Vater starb 1982

Erst spät stellten sich die Quandts ihrer Vergangenheit - wohl auch aus Selbstschutz. "Ich war 16, als mein Vater 1982 starb", sagte Stefan Quandt mal in einem Interview mit der "Zeit". Er habe nie über die NS-Zeit gesprochen. Heute fördert die Familie viele wohltätige Projekte - auch zur Erinnerung an die Schrecken der Nazi-Zeit. Besonders Stefan Quandt liegt auch die Kunst am Herzen, er ist einer von vier Gründungspartnern der Dependance des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt.

Gleichzeitig gelang es der Familie Quandt jedoch, ihren schon damals immensen Besitz über die Generationen hinweg weiter auszubauen. Sie herrschten in der Vergangenheit unter anderem über den Batteriehersteller Varta, waren am Autohersteller Daimler-Benz beteiligt - und natürlich an dessen Konkurrenten, den Bayerischen Motoren Werken, der ihr unternehmerisches Meisterstück werden sollte.

Gestaltungswillen

Es war ein Sanierungsfall, den die Quandts zum Weltkonzern machten. Heute halten sie rund 47 Prozent der Anteile. Die Interessen der Familie sind langfristig. Die jährlichen Dividenden-Zahlungen in Millionenhöhe nutze man daher auch, um das eigene Vermögen zu stabilisieren, hat Quandt einmal erklärt. Er habe jedenfalls keinen großen Geldspeicher wie Dagobert Duck. Stattdessen investiert die Familie in Zukunftstechnologie - Stefan Quandt beispielsweise in Solarenergie. Im vergangenen Jahr präsentierte sein Unternehmen Solarwatt einen Stromspeicher für den Hausgebrauch.

Es war einer der seltenen öffentlichen Auftritte von Quandt. Ansonsten führt er lieber aus dem Hintergrund. Wohl auch ein Grund, warum er bei BMW auf den Aufsichtsratsvorsitz verzichtete. Diese vornehme Zurückhaltung sollte man allerdings nicht mit Desinteresse verwechseln. Das betont auch Quandt: "Unternehmerischen Gestaltungswillen kann man nicht nur am Mandat festmachen." Betrachtet man die BMW-Bilanz, hat sich dieser Weg bislang ausgezahlt.

Quelle: RP
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