Finanzkrise: Steinbrück kritisiert Zeitpunkt für Bahn-Börsengang
zuletzt aktualisiert: 06.10.2008 - 13:09Berlin (RPO). Der Zeitpunkt für den Börsengang der Deutschen Bahn sei nicht gut gewählt, findet der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Es gebe Interesse von Investoren, auch strategischen Investoren, aber ein "derzeit sehr ungünstiges Umfeld", sagte der Minister mit Blick auf die Finanzkrise.
"Es wird der Zeitpunkt kommen, wo man abwägt", so Steinbrück weiter. Die Bahn-Tochter Mobility Logistics (DB ML) soll am 27. Oktober zu knapp einem Viertel an die Börse gebracht werden. Kritiker fürchten, dass die bisher im Staatsbesitz befindlichen Anteile im Umfeld der Finanzkrise zu einem zu niedrigen Preis verkauft werden könnten.
Die Deutsche Bahn reagierte promt auf die Einschätzung Steinbrücks. Sie hat für den geplanten Börsengang ihrer Tochter nach eigenen Angaben bislang keine negativen Zeichen aus dem Markt erhalten. Ein Bahnsprecher sagte am Montag zur Spekulation, wegen der Finanzmarktkrise könnte die geplante Teilprivatisierung platzen: "Weltweit sind Investoren auf Suche nach sicheren Werten. Am Ende entscheidet letzlich der Markt."
Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Winfried Hermann, warnte vor einem "Schiffbruch", falls die Bahn im Angesicht der Finanzmarktkrise an die Börse gehe. Er forderte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee auf, "die Reißleine" zu ziehen und die Teilprivatisierung auszusetzen. Alles andere wäre ein "unverantwortlicher Notverkauf", erklärte Hermann.
Die Bahn-Pläne
Geplant ist, 24,9 Prozent am Personenverkehr, Güterverkehr sowie der Logistiksparte zu verkaufen. Die russische Staatsbahn hat bereits ihr Interesse an etwa fünf Prozent der Anteile bekundet. 2010 oder 2011 will sie ihre eigene Güterverkehrssparte an die Börse bringen. "Wenn die an die Börse gehen, überlegen wir, auch Aktien zu kaufen", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn.
Kritiker einer russischen Beteiligung an der Bahn befürchten, dass ein solcher Schritt eine Vernachlässigung des Personenverkehrs zu Gunsten des internationalen Güterverkehrs zur Folge haben könnte. Mehdorn sagte, er habe kein Verständnis für die Kritik.
Der Bahnchef reist derzeit um die Welt und wirbt um Investoren. In den vergangenen Wochen war er bereits in Hongkong, Schanghai, Peking, Riad, Dakar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. In der kommenden Woche stehen Präsentationen in London, Paris, Zürich, Mailand und Moskau auf seinem Reiseplan.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
