Durch milliardenschwere Konjunkturprogramme: Steinbrück warnt vor Inflation
zuletzt aktualisiert: 13.04.2009 - 17:57Düsseldorf (RPO). Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat vor einer Inflation gewarnt und die Gefahren dafür mit den milliardenschweren staatsfinanzierten Konjunkturprogrammen begründet.
Angesichts der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft bewerten namhafte Wirtschaftsexperten die Inflationsgefahren allerdings ganz unterschiedlich.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht derzeit keine Anzeichen für einen andauernden Anstieg des Preisniveaus. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, hält hingegen eine weltweite Inflation für sehr wahrscheinlich.
Nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, kommt es "mit großer Wahrscheinlichkeit" zu einer Inflation. Die Situation sei derzeit aus verschiedenen Gründen "brandgefährlich", sagte Zimmermann im "handelsblatt.com"-Interview. So komme es zur Inflation, wenn auf den Märkten zu wenig Güter auf zu viel Nachfrage stießen, die durch viel Geld angeregt werde. "Zur Explosion kommt es also dann, wenn die enorme derzeitige und sich abzeichnende Geldschöpfung nachfragewirksam wird", warnte der DIW-Chef.
Gleichwohl hält es Zimmermann für möglich, die Inflation in Grenzen zu halten, sofern die enorm steigende Verschuldung eine Sache zwischen den Staaten und ihren Bürgern bleibe. Schließlich würden staatliche Anleihen zunächst von Privatanlegern gekauft. Das sei allerdings "auf breiter Front" spätestens dann vorbei, wenn mit anziehender Konjunktur zur Sicherstellung der Unternehmensfinanzierung die Zentralbanken Unternehmensanleihen oder gar Staatspapiere ankauften. "Dann beginnt die Inflationsspirale ihren höllischen Tanz", sagte Zimmermann.
Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bofinger, sagte hingegen: "Für Deutschland besteht auf absehbare Zeit kein Inflationsrisiko, sondern in erster Linie ein ausgeprägtes Deflationsrisiko". Bei einer Deflation kommt es zu einem allgemeinen und anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen. Bofinger sagte der Online-Ausgabe des "Handelblatts" voraus, durch die schlechte Absatzlage der Unternehmen und die steigende Arbeitslosigkeit werde es "auf breiter Front zu Lohnzugeständnissen der Arbeitnehmer kommen", die sich "dämpfend" auf die Preisentwicklung auswirkten.
Bofinger sieht anders als Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen kein Inflationsrisiko. Die Maßnahmen würden durch Schulden finanziert und könnten schon die nächste Krise auf den Weg bringen, sagte Steinbrück der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung vom Samstag. Es werde so viel Geld in den Markt gepumpt, dass die Gefahr einer Überlastung der Kapitalmärkte und einer weltweiten Inflation im Wiederaufschwung drohen könnte.
Steinbrück sagte, kurzfristig stelle sich das Problem einer Geldentwertung nicht. "Mittelfristig müssen wir uns aber darum kümmern, wie wir die Milliarden an Liquidität wieder aus der Welt bekommen, die wir jetzt in die Wirtschaft pumpen", fügte er hinzu. Das sei eine besondere Herausforderung für alle Zentralbanken.
Diese hatten weltweit in jüngster Zeit aufgrund eines deutlichen Rückgangs der Inflation ihre Leitzinsen gesenkt. Erst Anfang April hatte die Europäische Zentralbank den Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen, auf einen Rekordtiefstand von 1,25 Basispunkten reduziert. Im März war in Deutschland die Jahresteuerungsrate aufgrund der niedrigen Mineralölpreise auf den tiefsten Stand seit knapp zehn Jahren gesunken. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Verbraucherpreise auf Jahressicht um 0,5 Prozent.
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