Comeback nach Lebertransplantation: Steve Jobs: "Ich esse wie verrückt"
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 10.09.2009 - 16:39San Francisco/Düsseldorf (RPO). Steve Jobs ist wieder da. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit knapp einem Jahr begrüßten die Fans den legendären Apple-Chef frenetisch. Zuletzt hatte sich die Apple-Community Sorgen um die Gesundheit des Masterminds gemacht. Doch Jobs ist auf dem Weg zu alter Stärke.
Lange war er nicht mehr öffentlich aufgetreten - und das hatte seine Gründe. Vor rund drei Monaten hat Steve Jobs eine neue Leber erhalten. Der 54-Jährige hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 2004 musste ihm bereits ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt werden. Doch Jobs' Lebenswille ist ungebrochen, er hat sich wieder herangekämpft.
Direkt zu Beginn der Veranstaltung spricht er über seine Leidenszeit und bedankt sich für den Beistand seiner Fans: "Ich habe jetzt die Leber eines Mitte-Zwanzig-Jährigen, der bei einem Autounfall ums Leben kam und so selbstlos war, sein Organ zu spenden." Ansonsten wirkte Jobs mager, doch die alte Dynamik blitzte zur Freude von Fans und Investoren auf. Allein die Aussicht auf einen Auftritt des Masterminds ließ den Kurs der Apple-Aktie spürbar ansteigen.
Am Mittwoch stand er wie üblich in Jeans und schwarzem Rollkragenpullover auf der Bühne und stellte neue Modelle des Musikspielers iPod vor. Jobs kündigte mit seiner mittlerweile legendären Einführung "one more thing" (etwa: "eine Sache noch") an, den iPod nano künftig mit einer Video-Kamera anzubieten. Außerdem solle das Gerät, von dem Apple mehr als 100 Millionen Stück verkauft hat, mit einem Radio und einem Schrittzähler ausgestattet werden.
Keine Überraschungen
Spekulationen, Apple könnte auch einen Tablet-Computer - einen multimediales Gerät, das nur aus einem berührungsempfindlichen Flachbildschirm besteht - vorstellen, erwiesen sich dagegen als falsch. Die Produktneuvorstellungen im September sind für Apple von großer Bedeutung, weil sie in der Regel pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen.
Im Gegensatz zu früher hatte Jobs also keine sensationellen Innovationen im Gepäck - die Sensation war sein Comeback. Der "New York Times" sagte er nach der Präsentation: "Ich fühle mich großartig. Ich muss wahrscheinlich ungefähr 15 Kilo zunehmen, aber ich fühle mich wirklich gut. Ich esse wie verrückt. Eine Menge Eis."
Apple wird wie kaum ein anderer Konzern mit der Person seines Vorstandschefs identifiziert. Jobs gehörte 1976 zu den Apple-Gründern. Das Unternehmen wurde in Jobs' Garage in Palo Alto geboren. 1984 kam der erste Macintosh auf den Markt, nur ein Jahr später verließ Jobs Apple nach internen Streitereien. Quasi im Handumdrehen gründete er im Anschluss das Animationsfilmstudio Pixar.
Jobs ist Apple
1997 folgte das Comeback bei Apple: Jobs krempelte den einst reinen Computerhersteller zu einem breit aufgestellten Elektronikkonzern um und brachte den Musikspieler iPod sowie das Multimedia-Handy iPhone auf den Markt. Beide wurden zu Verkaufsschlagern und machten aus Apple endgültig eine Kultmarke.
Zeitweise arbeitete Jobs wegen der prekären Lage bei Apple für einen symbolischen Euro und führte mit Pixar parallel ein zweites Unternehmen. Das Studio verkaufte er 2006 an Disney. Seither ist er der größte Einzelaktionär des Unternehmens. Jobs' Vermögen wird auf über fünf Milliarden US-Dollar geschätzt.
Eigentlich hätte er das Arbeiten nicht mehr nötig. Wahrscheinlich wird Jobs in Zukunft kürzer treten. "Es ist großartig für die Branche, dass er zurück ist", sagte Analyst Peter Misek. "Aber ich glaube nicht, dass er wieder ganztägig arbeitet, und er wird auch künftig nicht voll zurückkommen."
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