ifo-Index: Stimmung der Wirtschaft auf Jahreshoch
zuletzt aktualisiert: 28.03.2006 - 14:58München (rpo). Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im März überraschend weiter gebessert und ist jetzt so gut wie zuletzt kurz nach der Wiedervereinigung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Lagebeurteilung von über 7.000 Unternehmen wiedergibt, kletterte im März auf 105,4 Punkte und liegt damit auf dem höchsten Stand seit April 1991. Ökonomen sehen sich dadurch in ihren Konjunkturprognosen für dieses Jahr bestätigt, der Aufschwung kommt.
Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte, verbesserte sich das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft um weitere zwei Punkte, obwohl Volkswirte einen leichten Rückgang erwartet hatten. Bereits im Februar hatte der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex für Überraschung in der Fachwelt gesorgt. Mittlerweile ist der viel beachtete Index zum vierten Mal in Folge gestiegen.
Der Aufschwung habe sich weiter stabilisiert, konstatierte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Die Industrie verfüge weiterhin über gute Exportchancen. Auch im Groß- und Einzelhandel setze sich der Aufwärtstrend fort. Zudem seien die Bauunternehmen nun zuversichtlicher. Das Institut sehe daher weiter "Luft nach oben" für den Index. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) rechnet jetzt damit, "dass die konjunkturelle Erholung weiter an Breite gewinnt".
Die vom Ifo befragten Firmen schätzten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für die kommende sechs Monate optimistischer ein als im Februar. Beide Teilindizes erreichten langjährige Bestmarken. Vor allem die Industriebetriebe beurteilten ihre Situation besser als im Vormonat. Aufgehellt hat sich die Stimmung aber auch im Baugewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel. Diese Branchen hatten in den vergangenen Jahren massiv unter der schwachen Gesamtkonjunktur gelitten.
Volkswirte nannten es bemerkenswert, dass sich das Klima über alle Branchen hinweg und vor allem im Einzelhandel verbessert habe. Dadurch zeichne sich eine Stärkung der Binnennachfrage ab, sagte Holger Schmieding von der Bank of America. Deutschland ernte nun die Früchte einer fünf Jahre langen Sparpolitik. Alexander Koch von der HypoVereinsbank warnte hingegen vor einer Überschätzung der Daten. Das Niveau des Geschäftsklimas sei derzeit "überoptimistisch".
Auch das Ifo-Institut selbst mahnte, nicht in übertriebene Wachstumseuphorie zu verfallen. Der Leiter der Geschäftsklima-Umfrage, Klaus Abberger, sagte, das Ziel des Frühindikators sei, die Richtung der konjunkturellen Entwicklung anzuzeigen, weniger aber deren Ausmaß. "Es ist gefährlich, wenn man den Indexstand eins zu eins in Wachstumsraten übertragen will", betonte der Ökonom.
Überaus optimistisch zeigt sich weiter der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der für 2006 sogar ein Wirtschaftswachstum jenseits von zwei Prozent für möglich hält. "Im Moment sieht es so aus, dass es besser werden könnte", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Die meisten Institute rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von knapp zwei Prozent, lediglich das Kieler IfW hat sich auf 2,1 Prozent vorgewagt. Für 2007 sagen die Experten ein deutlich geringeres Wachstum voraus.
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