ProSiebenSat.1: Streich-Bilanz: 180 Stellen, drei Sendungen
zuletzt aktualisiert: 17.07.2007 - 19:26München (RPO). Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 baut 180 Stellen in Deutschland ab. Zugleich werden mehrere Sendungen bei Sat.1 gestrichen. Am Standort Berlin seien 100 Mitarbeiter, in München 80 betroffen, sagte Konzernchef Guillaume de Posch am Dienstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in München.
Der Personalabbau soll sich bis 2009 erstrecken. 120 Stellen fallen nach seinen Worten noch im laufenden Jahr weg. Derzeit würden die Maßnahmen mit den Betriebsräten diskutiert. Sie sollten "sozialverträglich" und "fair" erfolgen. In rund 80 Fällen handle es sich um Zeitverträge. Medienpolitiker kritisierten die Sparmaßnahmen scharf.
Eingestellt sind mit sofortiger Wirkung die beiden Boulevardmagazine "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend". Dabei geht es um rund 55 Mitarbeiter, wie die Sprecherin des Senders, Kristina Faßler, bekannt gab. Die letzten Ausgaben der Magazine seien auf Wunsch der Redaktionen bereits am Montag ausgestrahlt worden. Auf den Sendeplätzen laufen während der Sommermonate die Formate "Richterin Barbara Salesch" und "Niedrig und Kuhnt - Kommissare ermitteln".
Ohne personelle Konsequenzen bleibt nach den Worten Faßlers die Streichung der Nachrichtensendung "Sat.1 News - Die Nacht" zum 31. August, die von N24 produziert wurde. Bei den Zuschauern habe dieses Format nur "eine außerordentlich geringe Akzeptanz" gehabt. "Keine Sekunde" werde aber darüber nachgedacht, die tägliche Hauptnachrichtensendung "Sat.1 News" um 18.30 Uhr aus dem Programm zu nehmen, betonte sie. Zur Zukunft von Nachrichtenchef Thomas Kausch äußerte sie sich nicht näher.
Da es sich bei den beiden eingestellten Magazinen um Boulevardformate handele, werde der Informationsanteil im Sat.1-Programm nicht beeinflusst, sagte Faßler. Sie reagierte damit auf Kritik, dass ausgerechnet Informations- und Nachrichtenprogramme gekürzt würden und dies medienrechtliche Konsequenzen haben könnte. Auch de Posch sagte, Sat.1 sei nicht in Gefahr, "den Status als Vollprogramm zu verlieren".
Der Direktor der für Sat.1 zuständigen Landesanstalt für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), Manfred Helmes, hatte zuvor gesagt: "Es kann nicht sein, dass das Programm baden geht, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen." Wenn Sat.1 die Anforderungen an ein Vollprogramm nicht mehr erfülle, müsse über die Konsequenzen nachgedacht werden. De Posch entgegnete, man werde mit der LMK "in Ruhe" diskutieren.
Die Grünen-Medienexpertin Grietje Bettin kritisierte eine "kurzfristige Profitorientierung". Die SPD-Medienexperten Monika Griefahn und Jörg Tauss sagten: "Es bewahrheitet sich einmal mehr die Befürchtung, dass Finanzinvestoren in ihrer Heuschreckenlogik funktionierende und auf Langfristigkeit angelegte Firmen durch ungesunde Wachstumserwartungen leichtfertig zugrunde richten." CSU-Generalsekretär Markus Söder sprach von einem "verheerenden Signal" für den Medienstandort Deutschland.
De Posch verteidigte die Maßnahmen und sagte, bei der Programmreform des Senders würden Formate ersetzt, die den Ansprüchen an Leistung und Rentabilität nicht genügten. Zugleich hob er hervor, dass die Entscheidung darüber "allein vom Management dieser Gruppe" getroffen worden und nicht auf Druck der Haupteigner, der Finanzinvestoren, KKR oder Permira zu Stande gekommen sei. ProSiebenSat.1 hatte vor kurzem die europäische Senderkette SBS übernommen.
Wie genau sich die 180 wegfallenden Stellen verteilen, wollte die Konzernspitze solange noch nicht mitteilen, bis mit den Mitarbeitern gesprochen worden sei. Von den Sparplänen ist darüber hinaus auch SBS betroffen. In Amsterdam werde der Hauptsitz der Senderkette mit 20 Stellen geschlossen, sagte de Posch.
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