Lufthansa-Flugbegleiter legen Arbeit nieder: Streiks sollen ab Donnerstag ausgeweitet werden
zuletzt aktualisiert: 28.08.2012 - 14:54Frankfurt/Main (RPO). Die Tarifverhandlungen für rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa sind in der Nacht zum Dienstag gescheitert. Laut der Gewerkschaft UFO wollen die Mitarbeiter jetzt streiken. Die Lufthansa reagiert mit Unverständnis auf die Streikankündigung.
Bei der Lufthansa gibt es zum Ende der Ferienzeit einen Streik des Kabinenpersonals. "Wir sind ab heute im Arbeitskampf mit der Lufthansa", teilte die Gewerkschaft UFO am Dienstag in Frankfurt mit. Die Streiks wurden zwar "ab sofort" und an allen deutschen Flughäfen angekündigt, für den heutigen Dienstag sei aber noch keine Streikaktion geplant, teilte UFO mit.
Man werde ohne Vorwarnungen in den nächsten Wochen zeitlich und punktuell zu Streiks aufrufen, erklärte der Gewerkschaftschef Nicoley Baublies. Einen flächendeckenden Streik werde man in den nächsten Wochen vorbereiten. Die Arbeitsniederlegungen des Kabinenpersonals sollen ab Donnerstag flächendeckend ausgeweitet werden und könnten gegen Ende der Woche große Teile des innerdeutschen Flugverkehrs lahmlegen. Die Gewerkschaft will ihre Streikaktionen sechs Stunden vor Beginn ankündigen. Damit bleibt der Lufthansa und den Flughafenbetreibern wenig Zeit, alternative Flugpläne zu erstellen.
Lufthansa reagiert mit Unverständnis
Lufthansa hat mit Unverständnis auf die Streikankündigung des Kabinenpersonals reagiert. In den zurückliegenden Verhandlungen habe das Unternehmen ein "umfassendes Absicherungsangebot", vorgelegt, sagte Personalvorstand Peter Gerber am Dienstag in Frankfurt am Main.
Allerdings habe die Airline im Gegenzug von den Flugbegleitern zusätzliche Zugeständnisse wie längere Arbeitszeiten eingefordert. "Wir werden nun das Beste geben, um die Streikauswirkungen in Grenzen zu halten", versprach Gerber.
19.000 Beschäftigte betroffen
In der Nacht zum Dienstag waren die Verhandlungen mit der Gewerkschaft UFO gescheitert, wie ein Sprecher der Airline am Dienstag bestätigte. UFO erklärte die Tarifrunde für gescheitert. Dass diese trotz tagelanger Verhandlungen ergebnislos zu Ende gegangen ist, bezeichnete UFO-Chef Nicoley Baublies, als "tragisch".
Zuvor hatten die Verhandlungspartner bis tief in die Nacht um eine Gesamtlösung für die rund 19.000 Beschäftigten gerungen, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen erfuhr.
Die Mitglieder haben bereits vor Wochen in einer Urabstimmung eindeutig für einen möglichen Arbeitskampf votiert. Eine erneute Abstimmung war daher nicht notwendig. Die Mitglieder hätten nur zu einem positiven Verhandlungsergebnis erneut befragt werden müssen.
Bis auf kleinere Warnstreikaktionen im Jahr 2009 haben die Stewards und Stewardessen der Lufthansa noch nie gestreikt. Der neue Gewerkschaftschef Nicoley Baublies hat bereits eine Taktik der Nadelstiche angekündigt, bei der mit zeitlich begrenzten Aktionen an einzelnen Stationen der Flugplan nachhaltig durcheinandergebracht werden könne.
Lufthansa will Personalkosten sparen
Die Flugbegleiter hatten neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen verlangt. Sie wollten zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die angestrebte Direktflugtochter mit damit verbundenen Einkommenseinbußen verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten.
Dieses System mit fortwährenden Hochstufungen nach dem Senioritätsprinzip will Lufthansa nicht mehr akzeptieren. Europas größte Fluggesellschaft sieht sich wegen des starken Wettbewerbs und anstehender Milliarden-Investitionen zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen. Eine wichtige Stellschraube im 1,5 Milliarden Euro schweren Sparprogramm "Score" sind dabei die im Vergleich zum Wettbewerb sehr hohen Personalkosten.
Lufthansa hat bereits den Abbau von 3500 Stellen in der Verwaltung angekündigt, will in der Kabine aber ohne Kündigungen auskommen. Stattdessen sollen die Tochter germanwings und die europäischen Direktverkehre in einer neuen Einheit zusammengefasst werden, in der unter dem Lufthansa-Tarif gezahlt werden soll. UFO befürchtet die Verlagerung von rund 2000 Arbeitsplätzen.


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