Ärzte wollen bis zu 25 Euro kassieren: Streit um höhere Praxisgebühren entbrannt
zuletzt aktualisiert: 13.05.2009 - 10:26Köln/Berlin (RPO). Um die Ärzte-Forderung nach höheren Praxis-Gebühren kocht eine hitzige Debatte hoch. Die Bundesregierung lehnt die von Ärzten geforderte höhere Praxisgebühr strikt ab. Experten schmähten den Vorstoß als absurd. Andere halten das Motiv, die hohe Zahl der Arztbesuche zu verringern, für in der Sache richtig.
"Es wird keine höheren Zuzahlungen und keine höhere Praxisgebühr geben. Da ist nichts geplant", ließ SPD-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt über einen Sprecher ausrichten. Zuvor hatte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein fünf bis zehn Euro Praxisgebühr pro Arztbesuch verlangt. Derselbe Betrag müsse für eine Überweisung zum Facharzt fällig werden, forderte deren Vorsitzender Hansen. Wer den Facharzt direkt aufsuche, müsse 20 bis 25 Euro zahlen. Damit solle die in Deutschland überdurchschnittlich hohe Zahl der Arztbesuche verringert werden, erläuterte der Ärzte-Vertreter unserer Redaktion.
Die SPD im Bundestag lehnte den Vorstoß Hansens ebenfalls umgehend ab. Im Falle einer "Eintrittsgebühr" vor jedem Arztbesuch bestehe die Gefahr, dass Bürger Krankheiten verschleppten und die Folgekosten fürs Gesundheitssystem noch höher ausfielen, sagte die Gesundheitsexpertin Carola Reimann zur Begründung. Die zu Jahresbeginn eingeführte Pauschalhonorierung werde den Anreiz für Kassenärzte senken, Patienten so oft wie möglich einzubestellen. Die Wirkung dieser Neuregelung müsse jetzt abgewartet werden. Union und FDP wollten sich zu den Forderungen der Kassenärzte nicht äußern.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete Hansens Vorstoß im "Stadt-Anzeiger" als "vollkommen absurd". Schließlich bestellten die Ärzte selbst die Patienten immer wieder in ihre Praxis und seien somit für die hohe Zahl der Arztbesuche mitverantwortlich. "Den Patienten dafür in die Tasche greifen zu wollen, ist schlicht frech", sagte Lauterbach der Zeitung.
Der Vorstandschef der AOK Rheinland-Hamburg, Wilfried Jacobs sagte dem Kölner Stadtanzeiger, es sei "ein Armutszeugnis, wenn sich die Kreativität von Ärztevertreter darin erschöpft, die ohnehin durch Zuzahlungen und Beiträge stark belasteten Patienten noch weiter abkassieren zu wollen".
Auch der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl, distanzierte sich vorsichtig von Hansens Initiative. "Eine Debatte über mehr Selbstverantwortung der Versicherten ist grundsätzlich notwendig, aber nicht unbedingt in Form höherer Selbstbeteiligungen", sagte er dem "Stadt-Anzeiger": "Wir reden einer Ausweitung der Praxisgebühren jedenfalls nicht das Wort."
Der Nachrichtenagentur AFP hatte Stahl am Dienstag noch gesagt, auch wenn das Thema "unpopulär" sei, so sei es doch richtig, über eine Verschärfung der Praxisgebühr zu diskutieren.
Die Forderung von Kassenärzte-Chef Leonhard Hansen nach einer Praxisgebühr für jeden Arztbesuch hat auch bei unseren Lesern ein starkes Echo hervorgerufen. Die meisten zeigen sich entrüstet. Eine Auswahl der Stimmen haben wir >>>hier für Sie aufbereitet.
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