Blockade der Kapitalerhöhung: Streit um Karstadt-Kapital
zuletzt aktualisiert: 24.11.2004 - 20:21Düsseldorf/Berlin (rpo). Die ersten Verhandlungen zwischen KarstadtQuelle und den Gegnern der geplanten Kapitalerhöhung sind offenbar ohne Einigung zu Ende gegangen. "Die Gespräche werden am Donnerstag fortgesetzt", sagte Konzernsprecher Jörg Howe nach dem Ende der Gesprächsrunde. Einzelheiten zum Stand der Verhandlungen nannte er nicht. Es sei absolutes Stillschweigen vereinbart worden.
Der Kleinaktionär Rainer Johannes betonte allerdings, dass er seinen Widerstand nicht aufgeben werde. Johannes sagte dem "Handelsblatt", er halte die Anfechtung weiter aufrecht.
Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff hatte zuvor in der "Wirtschaftswoche" seine Überzeugung bekräftigt, dass eine Einigung gelingen werde. Für eine juristische Auseinandersetzung fehle einfach die Zeit, sagte er. Der Konzern muss nach den Worten Middelhoffs bis spätestens Freitag eine Einigung mit den Aktionären erreichen, da sonst das Scheitern der Kapitalerhöhung und damit des gesamten Sanierungskonzeptes droht. Damit stehe die Existenz des Konzerns auf dem Spiel hatte der Manager auf der Hauptversammlung am Montag erklärt.
Aus seiner Verärgerung über das Vorgehen einiger Kleinaktionäre machte der Manager keinen Hehl: Gewiss müsse es eine eigenständige Aktionärsentscheidung geben, aber in diesem Falle hingen daran fast 100.000 Arbeitsplätze. "Wir brauchen dringend eine öffentliche Diskussion darüber, denn andere Unternehmen werden künftig in ähnlichen Situationen sein", sagte Middelhoff der "Wirtschaftswoche".
Deutliche Kritik äußerte auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von KarstadtQuelle, Wolfgang Pokriefke. Bei der Fusion mit der Warenhauskette Hertie habe es seinerzeit ein vergleichbares "Theater" gegeben, sagte Pokriefke im Deutschlandradio. "Letzten Endes kam es denen nur darauf an, Geld abzuzocken", wurde der Betriebsratsvorsitzende zitiert.
Middelhoff sieht gute Zukunftsaussichten für Karstadt
Auch Pokriefke rechnet nicht mit einem Scheitern der Kapitalerhöhung. "Keiner kann die Verantwortung übernehmen, kein Mensch. Wer das tut, handelt unwahrscheinlich leichtfertig daran, ein Unternehmen herunterzufahren, das mit 100.000 Beschäftigten in dieser Republik seinen Platz hat", wurde er zitiert.
Middelhoff zeigte sich optimistisch, was die Zukunftsaussichten von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern angeht. Das Potenzial des Unternehmens sei viel größer, als es derzeit in der Öffentlichkeit erscheine. Schon bald würden die ersten Erfolge der Restrukturierung sichtbar werden: eine deutliche Verbesserung des operativen Geschäfts und ein Ende der Umsatzerosion.
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