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NRW.Invest: Streit um Wirtschaftsförderung

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 19.03.2010 - 07:47

Düsseldorf (RP). Trotz Erfolgen beim Werben um Investitionen in NRW ernten die Wirtschaftsförderer des Landes auch Kritik: NRW.Invest engagiere sich zu einseitig, heißt es. Und die teure Kampagne "We love the new" mag auch nicht jeder.

NRW-Wirtschaftsministerin Thoben: "Sehr zuversichtlich." Foto: ddp

Die Wirtschaftsförderung des Landes hat im vergangenen Jahr einen guten Job gemacht: 102 Unternehmen aus aller Welt konnten die Werber im Auftrag der NRW-Regierung zu Investitionen im größten deutschen Bundeslandüberreden. Das ist der zweitbeste Wert seit 2005: Er steht für 2048 neue Arbeitsplätze, die 2009 in NRW zusätzlich entstanden sind. Eigentlich keine schlechte Bilanz für ein Jahr, das von einer schweren Krise geprägt war.

Trotzdem rumort es hinter den Kulissen der "NRW.Invest", wie sich die Wirtschaftsförderer nennen. Grund: Von den umtriebigen Werbern, die der Steuerzahler sich im vergangen Jahr zehn Millionen Euro hat kosten lassen, profitieren nur wenige Regionen. So hat NRW.Invest im vergangenen Jahr ausgerechnet in den ohnehin starken Wirtschaftsräumen entlang der Rhein-Ruhr-Schiene 88 Projekte angekurbelt. Im viel größeren Rest des Landes aber gerade mal acht (siehe Grafik). "Dieses ungleiche Engagement muss fairer verteilt werden", fordert NRW.Invest-Aufsichtsrat Gerd Bollermann (SPD).

Info

China-Repräsentanz

Im kommenden Jahr soll der Etat der Landwirtschaftsförderung NRW.Invest von jetzt 10 Millionen auf 12 Millionen Euro aufgestockt werden. Grund ist eine weitere Repräsentanz im chinesischen Peking.

Während sich die Spitzen der Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Rhein-Ruhr-Raum positiv zu der Wirtschaftsförderung äußern, hört man unter den Wirtschaftsverbänden in den übrigen NRW-Regionen auch deutliche Kritik: "Kostet viel Geld und bringt wenig", heißt es dort. Vor allem die drei Millionen Euro teure Kampagne "We love the new", mit der NRW.Invest seit vergangenem Jahr für das Bundesland trommelt, kommt in den wirtschaftlich schwächeren Regionen nicht an.

Aber die Kritiker wollen namentlich nicht genannt werden. Sie fürchten um den Burgfrieden, den die IHKs vor ein paar Jahren mit der Landeswirtschaftsförderung geschlossen haben. Im Zank darüber, wer die Wirtschaft denn nun fördern darf, erreichte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU, von 1990 bis 1994 Chefin der IHK Münster) einen Kompromiss: NRW.Invest übernimmt unter der Regie des Landes das Werben um Investoren im Ausland. Die Schwestergesellschaft NRW.International darf unter Regie der IHKs die Ansiedlung deutscher Firmen im Ausland begleiten. Bollermann: "Da verpuffen Chancen. Das gehört beides in eine Hand."

Welchen Erfolg die teure Kampagne genau hat, die noch auf Jahre fortgesetzt und weitere Millionen kosten soll, kann NRW.Invest nicht sagen. "Wir messen das noch", heißt es auf Anfrage. Aufsichtsrat Bollermann: "Bei soviel Geld müssen schon präzise Zahlen her." Außerdem kritisiert er, dass die aufwändigen NRW.Invest-Reisen zu Messen in fernen Ländern "zu wirtschaftslastig" seien. "Da müssen mehr Wissenschaftler eingeladen werden. Schließlich ist unsere Forschungslandschaft ein wesentlicher Standort-Vorteil."

Unklar ist auch die Arbeitsteilung zwischen der Wirtschaftsförderung des Landes und den unzähligen Mini-Wirtschaftsförderungen, die sich in NRW fast jede Kommune zusätzlich leistet. Vor dem Hintergrund von Kleinstädten aus NRW, die sich auch schon mal auf Investoren-Kongressen in Asien neben Messeständen von Städten wie Hamburg oder München zu behaupten versuchen, sagte Thoben gestern: "Vielleicht muss da der ein oder andere mal überlegen, ob seine Stadt im regionalen Zusammenschluss nicht besser wahrgenommen wird."

Quelle: RP

 
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