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Streit um Zulieferer
Tesla legt sich mit deutscher Autoindustrie an

Streit um Zulieferer - Tesla brüskiert BMW, VW und Co.
Tesla will den deutschen Anlagenbauer Grohmann zu einem Zentrum für automatische Fertigung ausbauen. FOTO: afp
Hamburg. Nachdem der amerikanische Autokonzern Tesla den deutschen Autozulieferer Grohmann übernommen hat, bahnen sich nun offenbar Probleme an. Das Maschinenbau-Unternehmen soll die Produktion für seine deutschen Kunden eingestellt haben, ohne sie darüber zu informieren. BMW und VW reagieren verärgert.

Der kalifornische Elektroautobauer Tesla riskiert beim kürzlich übernommenen Maschinenbauer Grohmann einen Konflikt mit dessen Kunden aus der Automobilindustrie. BMW und Volkswagen, die bisher zu den wichtigsten Abnehmern des auf Anlagen zur automatisierten Fertigung spezialisierten Unternehmens aus der Eifel gehören, reagierten pikiert darauf, dass Grohmann künftig nur noch für Tesla arbeiten soll.

"Wir gehen davon aus, dass die Firma Grohmann auch in Zukunft ihre vertraglichen Verpflichtungen uns gegenüber erfüllt", erklärte BMW am Donnerstag. Offenbar wurden zumindest die Münchner nicht über die einseitige Beendigung der Lieferbeziehung informiert. "Uns liegen keine schriftlichen Aussagen zur möglichen Ausgestaltung der künftigen Geschäftsbeziehungen mit der Firma Grohmann vor."

BMW signalisiert Kompromissbereitschaft

BMW signalisierte zugleich Kompromissbereitschaft. Sollte es aufgrund der neuen Gesellschafterstruktur bei Grohmann zu Engpässen kommen, werde man eine Lösung finden. Auch Volkswagen pocht auf die Einhaltung von Verträgen. Daimler, der ebenfalls zu den Grohmann-Kunden gehört, lehnte eine Stellungnahme ab. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu Lieferantenbeziehungen. Die "WirtschaftsWoche" berichtete, Grohmann habe die Arbeit für seine deutschen Kunden eingestellt, ohne diese darüber in Kenntnis zu setzen.

Die Arbeitsbelastung durch neue Projekte sei so groß, dass seit einigen Wochen nur noch für Tesla gearbeitet werde, zitierte das Magazin Betriebsratschef Uwe Herzig. Das Unternehmen werde sich in den kommenden Monaten auf Arbeiten für das neue Tesla-Auto Model 3 konzentrieren. Die IG Metall hatte bereits vergangene Woche zu erkennen gegeben, dass Grohmann aufgrund der Aufträge von Tesla nicht mehr für seine bisherigen Kunden produzieren könne. Darüber sei die Belegschaft bei einer Betriebsversammlung informiert worden.

Anlagenbauer soll Zentrum für automatische Fertigung werden

Tesla hatte Grohmann im vergangenen Jahr übernommen und will den Anlagenbauer zu einem Zentrum für automatisierte Fertigung ausbauen. Der Zulieferer mit dem neuen Namen "Tesla Grohmann Automation" entwickelt und vertreibt entsprechende Anlagen, die Tesla für den Wandel zu einem Massenhersteller dringend benötigt. Noch in diesem Jahr soll der Verkauf des Mittelklassewagens Model 3 starten, die Produktion soll im Juli anlaufen.

Bei den Plänen von Milliardär Elon Musk für Teslas Aufstieg zu einem Volumenhersteller spielt das Model 3 eine zentrale Rolle. Im Streit mit Tesla über den künftigen Kurs war bereits Unternehmenschef Klaus Grohmann abgetreten. Er hatte sich Insidern zufolge dagegen gestemmt, dass Tesla seine bisherigen Stammkunden vergrault.

(REU)
 
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