Verbraucherschützer fordern drastische Reformen: Strom und Gas könnten viel günstiger werden
zuletzt aktualisiert: 18.10.2009 - 17:35München/Essen/Düsseldorf (RPO). Die Kosten für Energie können nach Einschätzung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen viel billiger werden. Der Verband sieht noch jede Menge Spielraum für Entlastungen. Man müsse nur mehr Wettbewerb zwischen den Betreibern anfachen. Dieser läuft aber langsam an. Vor wenigen Wochen hatte die Bundesnetzagentur bekanntgegeben, dass sich 2008 350.000 Gaskunden einen neuen Gasversorger gesucht hätten (dreimal so viele wie im Vorjahr).
Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, fordert der Verband in einem Positionspapier für die Koalitionsverhandlungen die Bundesregierung zu Reformen auf. "Wenn man den gesamten Energiemarkt auf Wettbewerb trimmt, sind einige Milliarden Euro Entlastung jährlich möglich", schrieb Verbandsexperte Holger Krawinkel.
Allein die Kürzung der Solarförderung um 30 Prozent brächte eine Entlastung der Stromkunden um 500 bis 750 Millionen Euro pro Jahr. Dazu gehöre auch, "dass die Regierung die beiden Branchenführer Eon und RWE in ihrer Marktmacht beschränkt". Sie sollten nur noch je maximal 15 Prozent des gesamten Stroms in Deutschlands produzieren dürfen. Im Zweifelsfall müssten sie zur Abgabe von Kraftwerkskapazität gezwungen werden, forderte Krawinkel.
Bundesnetzagentur stellt Monitoring-Bericht vor
In einem neuen Monitoring-Bericht stellte die Netzagentur "weitreichende strukturelle Änderungen" im Gasmarkt fest. "Das Jahr 2009 war ein Jahr des Umbruchs", erklärte Behördenchef Matthias Kurth. Die Vorgaben seines Hauses für mehr Wettbewerb unter den Anbietern hätten den Wechsel deutlich vereinfacht.
Trotzdem liegt die Zahl der Wechselkunden beim Gas laut Bundesnetzagentur noch deutlich unter derjenigen bei Stromkunden. Der Behörde zufolge wechselten 2008 gut 2,1 Millionen Kunden ihren Versorger, 2007 waren es noch knapp 1,4 Millionen gewesen. Die Zahl der alternativen Stromanbieter ist in Deutschland deutlich höher als diejenige der Gasanbieter.
Trotzdem bezieht demnach noch etwa Hälfte der Kunden ihren Strom zum so genannten Grundversorgungstarif. Diesen erhalten Verbraucher, wenn sie nicht aktiv ihren Versorger oder ihren Tarif wählen. Laut Netzagentur ist das aber "die teuerste und preislich am stärksten steigende Art der Elektrizitätsbelieferung".
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