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Reaktion auf Wirtschaftskrise: Studie: Boom der Biobranche gebremst

zuletzt aktualisiert: 05.08.2009 - 15:13

München (RPO). Nun schlägt sich die Wirtschaftskrise offenbar auch in der Biobranche nieder: Die Verbraucher in Deutschland kaufen erstmals seit Jahren weniger Biolebensmittel ein. Der Umsatz mit Ökoprodukten schrumpfte im ersten Halbjahr um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die geht aus Daten des Marktforschungsinstituts GfK hervor, auf die sich die "Süddeutsche Zeitung" von Mittwoch beruft. Die Biobranche rechnet dennoch mit einem Wachstum für das Gesamtjahr.

"Die Verbraucher zeigen eine gewisse Öko-Müdigkeit", sagte GfK-Handelsexperte Helmut Hübsch der Zeitung. Die Wirtschaftskrise werde voraussichtlich dafür sorgen, dass der Umsatz mit Biolebensmitteln weiter schrumpfe. Die GfK nahm für die Untersuchung dem Bericht zufolge das Kaufverhalten von 30.000 Haushalten unter die Lupe.

Nach Einschätzung von Hübsch gibt es mehrere Gründe dafür, warum die Verbraucher in der Krise bei Biolebensmitteln sparen. So seien die Preise für herkömmliche Produkte ohne Ökosiegel in den vergangenen Monaten deutlich stärker gesunken als die für Bionahrung. Hier sähen viele Verbraucher einen Weg, um ihre Geldbeutel zu schonen. Auch kritische Medienberichte über die Qualität von Bioprodukten dürften demnach eine Rolle gespielt haben.

Mit dem Rückgang um vier Prozent im ersten Halbjahr schrumpfte die Ökobranche stärker als der übrige Lebensmitteleinzelhandel. Dieser verbuchte nach Angaben des Statistischen Bundesamts einen Umsatzschwund von 2,4 Prozent.

Rückschlag für die Branche

Für die erfolgsverwöhnte Bio-Branche ist der Erlösrückgang nach Jahren zweistelliger Wachstumsraten ein herber Rückschlag. Noch im vergangenen Jahr wuchs der Bereich Bio-Lebensmittel um zehn Prozent, was jedoch schon eine Verlangsamung gegenüber dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre bedeutete. Mit einem Gesamtumsatz von knapp sechs Milliarden Euro 2008 haben Ökolebensmittel nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gemessen am Umsatz einen Marktanteil von 3,5 Prozent.

Der BÖLW forderte eine kritische Betrachtung der Zahlen der Marktforscher, weist die Ergebnisse aber nicht zurück. "Die Daten tragen nur einen Teil zum Gesamtbild bei", sagte BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein der Nachrichtenagentur AFP. Daten des Ökogroßhandels zeigten, dass die Umsätze im ersten Vierteljahr 2009 leicht gesunken, im zweiten Quartal aber wieder leicht gestiegen seien. Auch Geschäfte und die Hersteller meldeten positive Zahlen.

Verband geht trotzdem von Wachstum aus

Die GfK-Daten wiederum beruhten auf Verbraucherbefragungen, sagte BÖLW-Chef Löwenstein. "Es kann natürlich sein, dass es in den Haushalten einen Rückgang gegeben hat, jedoch sollten die Ergebnisse nicht überbewertet werden".

Trotz Krise werde der Bio-Markt auch in diesem Jahr wachsen, sagte Löwenstein. "Im Moment deutet alles darauf hin." Allerdings sei unklar, wie stark der weitere Verlauf der Rezession die Konsumneigung der Verbraucher belaste. Belastend auf die Umsätze der Biobranche würden sich auch sinkende Preise für Biolebensmittel auswirken, etwa für Milchprodukte. In den vergangenen Jahren seien die Preise noch deutlich gestiegen. Auch dies sei ein Grund für das rasante Wachstum der Branche gewesen, sagte Löwenstein.

Auch die EU geht für 2009 von einem Wachstum des Biomarktes in den Mitgliedsländern zwischen drei und fünf Prozent aus. Das zweistellige Wachstum der vergangenen Jahre wird demnach aber nicht erreicht.

Quelle: AFP/felt

 
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