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Mehrere Pannen pro Monat in deutschen Telefonnetzen

Studie: Mehrere Pannen pro Monat in deutschen Telefonnetzen
Diese Grafik zeigt, wie oft Kunden im Internet größere Störungen meldeten. FOTO: RP
Exklusiv | Düsseldorf. Zahlreiche Ausfälle bei Vodafone, Telekom und Telefonica sorgten in den letzten Monaten für Aufregung. Nun zeigt eine Studie: Laut Meldungen der Kunden schwächelt die Infrastruktur aller Betreiber relativ oft. Von Reinhard Kowalewsky

Jeder der fünf großen Telefonkonzerne Deutschlands hat nahezu jeden Monat rund zwei ernstzunehmende Störungen in seinem Netz. Dies legt eine exklusive Auswertung von Datensätzen durch das Online-Portal allestoerungen.de nahe, das über seinen niederländischen Mutterkonzern Serinus42 weltweit Telekommunikationsnetze beobachtet.

Im Schnitt hat die Branche insgesamt jeden Monat neun Pannen. "Die Nutzer sind schon oft über Probleme im Netz beunruhigt,", sagt Tom Sanders, nahe Amsterdam lebender Chef von Serinus42, "das merken wir durch unsere Auswertung von Facebook, Twitter und anderen Quellen im Internet."

Drei Millionen Haushalte bekommen Internet von Unitymedia

Alle Telefonkonzerne bestätigen, dass sie das Problem zu häufiger Netzausfälle irritiert, ohne aber die Zahlen von Stoerung.de zu bestätigen. "Unitymedia arbeitet ständig daran, sein Netz noch leistungsfähiger und noch stabiler zu machen", erklärt beispielsweise der Kölner Kabel-TV-Anbieter Unitymedia, über den auch drei Millionen Haushalte Internet bekommen.

Immerhin sieben der 19 von Stoerungen.de gemeldeten Vorfälle zwischen Oktober 2015 und Juni 2016 konnte das Unternehmen rekonstruieren. Bei den anderen ist unklar, ob Unitymedia etwas übersehen hat, oder ob Stoerungen.de eine falsche Info publizierte. "Es kommt vor, dass Kunden Netzstörungen vermuten", sagt ein Manager von Unitymedia, "aber in Wahrheit hatte Facebook oder der hausinterne Router ein Problem."

Diese Sicht teilen Sprecher von Telekom, Telefonica und Vodafone: Stoerungen.de gebe Kunden und Firmen schon interessante Hinweise auf mögliche Probleme, aber es würden auch Falschmeldungen produziert.

Telekom schneidet in Studie gut ab

Trotz dieser wichtigen Einschränkungen erlaubt die Studie einige Rückschlüsse: Gemessen an ihrer relativ geringen Zahl, scheinen die Kunden der beiden Kabelnetz-Firmen Unitymedia und Kabel-Deutschland viele Störungen zu melden. Das könnte auch daran liegen, dass ihnen schnelle Internetanschlüsse besonders wichtig sind und dass der Ausfall eines TV-Signals sehr schnell auffällt.

Die Telekom schneidet, gemessen an der Anschlusszahl von 60 Millionen, gut ab – aber mehrere Studien attestieren ihr ja die beste Netzqualität. Und wenn die Kunden von Telefonica am wenigsten Probleme meldeten, ist das logisch: Die Konzentration auf Mobilfunk sorgt dafür, dass schief gelaufene Erdarbeiten als Ursache für tote Leitungen nicht so relevant sind. Hin zum Kunden wird ja digital gefunkt.

Unabhängig von der Untersuchung müssen Kunden wissen: Insgesamt ist die Netzqualität in Deutschland gut. In "normalen Wochen" erreiche Vodafone 99 Prozent Zuverlässigkeit, erklärt das Unternehmen. Unitymedia, meldet, dass die zugesicherte Verfügbarkeit von 97,5 Prozent "zuverlässig" eingehalten wird. Die Telekom garantiert einen ähnlichen Wert, ergänzt aber, dass viele Dienste sogar zu "99,5 Prozent und besser" stabil sind.

Im Juni großer Mobilfunkausfall bei der Telekom

Solche Werte klingen beeindruckend, trotzdem sorgten spektakuläre Vorfälle in den vergangenen Wochen für Unruhe: Im Juni fiel das Mobilfunknetz der Telekom großflächig aus. Kurz danach konnten zeitweise 1,8 Millionen Kunden von Vodafone im Kabelnetz weder telefonieren noch im Internet surfen.

Diese Pannen sind peinlich und mögen viele Kunden nerven, wirklich gefährlich sind sie selten. In Zukunft müssen die Telekom-Konzerne aber viel besser werden, wenn sie ihren großen Traum realisieren wollen: Sie wollen autonom fahrende Autos per Mobilfunk vor anderen Fahrzeugen warnen - da kommt es auf Millisekunden an.

Als Trick für mehr Sicherheit wird das Mobilfunknetz dafür in hunderte regionale Unternetze zerlegt. Dadurch jagen die Infos viel schneller von einem Auto zum anderen. Und falls einmal ein Subnetz ausfällt, gäbe es kein bundesweites Chaos.

Quelle: RP
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