Die meisten Bezieher sind engagiert: Studie räumt mit Hartz-IV-Klischees auf
zuletzt aktualisiert: 26.08.2010 - 14:14Nürnberg (RPO). Zwei Drittel der Hartz-IV-Empfänger gehen einer nützlichen Tätigkeit nach. Eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung hat mehr als 10.000 Leistungsempfänger befragt.
Von den rund fünf Millionen Leistungsempfängern zwischen 15 bis 64 Jahren kümmern sich zwei Drittel (65,5 Prozent) entweder um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, nehmen an Fördermaßnahmen teil, machen eine Ausbildung oder gehen als Aufstocker einer Erwerbstätigkeit mit geringer Entlohnung nach.
Das Engagement der Hartz-IV-Bezieher berge auch Risiken, schreiben die IAB-Autoren. Das Ausmaß der Eigenbemühungen um einen neuen Job könne ebenso eingeschränkt werden wie die Möglichkeiten einer Vermittlung durch Mitarbeiter der Jobcenter.
Allerdings mangle es bei der Suche nach einer Arbeit nicht an der Motivation der Betroffenen: Obwohl 42,2 Prozent der 15- bis 64-jährigen Leistungsempfänger wegen ihrer Tätigkeiten gesetzlich nicht zur Jobsuche verpflichtet seien, habe knapp ein Fünftel dieser Personen aus eigenem Antrieb nach einer Arbeit gesucht.
Nur wenige schaffen es bis ins Vorstellungsgespräch
Tatsächlich zur Jobsuche verpflichtet sind laut IAB etwa drei Millionen Hartz-IV-Empfänger. Davon hätten knapp zwei Drittel angegeben, sich in den vier Wochen vor ihrer Befragung um Arbeit bemüht zu haben. Lediglich ein Viertel davon habe es allerdings wenigstens bis zu einem Vorstellungsgespräch geschafft. Wie viele davon dann auch eine Arbeit bekamen, wurde nicht ermittelt.
"Bei der Mehrheit der Leistungsempfänger ist eine fehlende Motivation nicht der Hauptgrund für den dauernden Bezug", schreiben die IAB-Forscher. Allerdings habe eine frühere Studie ergeben, dass mehr als 80 Prozent der Hartz IV-Bezieher zwischen 15 und 64 Jahren Arbeitsmarkthemmnisse aufwiesen: Sie hätten entweder nur geringe Qualifikationen, eine schlechte Gesundheit, einen Migrationshintergrund oder seien alleinerziehend, erklärte Studien-Autor Mark Trappmann.
Derzeit gibt es nach IAB-Angaben 6,5 Millionen Bezieher des Arbeitslosengeldes II.
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