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Portrait über Air-Berlin-Chef Hunold: "Tach, ich bin der Achim"

VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 28.03.2007 - 12:28

Düsseldorf (RP). Einst schleppte er Koffer am Düsseldorfer Flughafen, heute ist er Chef von Air Berlin und hat gerade LTU gekauft: Achim Hunold (57) ist eine der schillerndsten Figuren in der Luftverkehrsbranche. Beliebt, verhasst, respektiert, bewundert und von der Konkurrenz misstrauisch beäugt.

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Es gibt zwei Dinge, die Achim Hunold nicht leiden kann: Schalentiere auf dem Teller und Gewerkschaften im Betrieb. Die einen schlagen ihm auf den Magen und die anderen auch.

Da hilft noch nicht einmal der italienische Kräuterschnaps Averna, den der Chef von Air Berlin gerne trinkt. Während des Essens, nach dem Essen und auch bei schwierigen Verhandlungen mit Geschäftspartnern. Wer auch immer ihm dabei gegenüber sitzt: Hunold legt Wert auf den persönlichen Draht. Schwer vorstellbar, dass er mit einem einig wird, mit dem die Chemie nicht stimmt.

Als er beispielsweise seinerzeit die Kooperation mit dem Düsseldorfer Groß-Gastronomen Stockheim einfädelte, da machte Hunold zur Bedingung, nur mit dem damals schon pensionierten Geschäftsführer Teddy Gaedt zu verhandeln, denn den kannte er, den mochte er. Gaedt wurde reaktiviert, die Gespräche gingen erfolgreich zu Ende.

Hunold ist ein Mann der klaren Kante und der klaren Sprache. Worthülsen sind ihm ein Gräuel, und das merkt man ihm auch sofort an - trifft er auf Dampfplauderer oder Erbsenzähler, wird aus dem umgänglichen Rheinländer (seine Herkunft ist unüberhörbar) ein vor Wut schnaubender Energiebolzen, mit dem man sich lieber nicht unfriedlich einlässt.

Erst vor wenigen Tagen hat er seine Geschichte vor dem Düsseldorfer Marketing-Club erzählt. Wie gebannt hingen sie an seinen Lippen, die smarten Flanell-Anzug-Träger und Business-Kostüm-Trägerinnen - ungläubig lauschend, amüsiert lächelnd, beeindruckt nachdenkend.

In der Tat eine einmalige Story, faszinierend wie die vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird. Nur dass es diesmal der Kofferträger ist, der heute die Gesellschaft führt, deren Jets er damals belud - damals, in den 70er und 80er Jahren, als alles anfing. Das war die Zeit, als Hunold (seine Eltern hatten eine Drogerie in Düsseldorf) Jura studierte und sein Studium mit verschiedenen Jobs finanzierte. Unter anderem kellnerte er in der Altstadt, was er seitdem als wichtigen Teil seiner Prägung beschreibt, und machte mit dem Geld seinen Privat-Flugschein.

Fasziniert von der Fliegerei, landete er schließlich am Flughafen - allerdings beim Bodenpersonal: Er schuftete an der Rampe, wuchtete das Gepäck in die Flieger einer aufstrebenden Airline namens LTU. Die wurde auf den durchsetzungsstarken, klugen und kreativen Mann aufmerksam, die Karriere des Achim Hunold (der zwischendurch kurz überlegt hatte, Pharmareferent zu werden!) begann und mündete nach einigen Jahren in die oberste Etage der LTU, wo es Hunold zum Vertriebs-Chef brachte. Übrigens unter dem Geschäftsführer Werner Huehn, der später sein Partner bei Air Berlin wurde.

Vorher jedoch gab es die sagenhafte Begegnung von Hunold mit Friedel Neuber. Der Boss der WestLB hatte in diesen Jahren das Sagen bei der schon trudelnden Airline, und Neuber schätzte die direkte Art Hunolds nicht. Er feuerte den selbstbewussten Mann, zahlte freilich eine saftige Abfindung.

Da ergab es sich, dass ein reicher Amerikaner - Kim Lundgren - eine kleine Airline betrieb, die Air Berlin hieß und einen einzigen Jet besaß. Hunold und Lundgren kamen zusammen, Hunold war bereit, seine Abfindung einzusetzen, leierte einigen Banken Kredite aus dem Kreuz - und gründete die neue Air Berlin. Der Rest ist Wirtschaftsgeschichte: Heute ist das Unternehmen nach der Lufthansa die größte deutsche Airline, in Spanien Marktführer, setzte 2006 rund eine Milliarde Euro um - und hat gerade LTU gekauft.

Dieser Coup ist für Hunold natürlich auch ein persönlicher Triumph, ein unglaublich bewegendes Gefühl, wie er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung einräumte. Verständlich: Er, der einst Gefeuerte, kommt als großer Macher zurück. Pikant am Rande: Er trifft dort seine erste Frau Petra, die - ausgerechnet - stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats ist.

Der Sieger verschiedener Luft-Schlachten um die Feriengebiete rund ums Mittelmeer wurde - sozusagen nebenbei - auch zum Senkrechtstarter auf dem gesellschaftlichen Parkett: Gerhard Schröder, Boris Becker, Franz Beckenbauer, Veronika Ferres, Jörg Immendorff, Niki Lauda - sie alle sind mit Hunold („Tach, ich bin der Achim!“) per Du. Mit seiner zweiten Frau Michaela (die er in der Düsseldorfer Kö-Disco Sam’s kennen lernte) ist Hunold regelmäßig zu Gast in der Fachpresse für die Reichen und Schönen. Wer ihn kennt, der weiß, dass ihn das wenig beeindruckt.


 
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