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Datenaffäre: Telekom beurlaubt Manager

VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 30.10.2008 - 07:54

Bonn (RP). Die Ermittlungen um den massenhaften Datenklau bei T-Mobile haben personelle Konsequenzen. Fünf Manager der Mobilfunktochter müssen „Erholungsurlaub“ nehmen. Der neue Sicherheitsvorstand will nun intern aufräumen.

Die Deutsche Telekom hat eine erneute missbräuchliche Auswertung von Verbindungsdaten eingeräumt. Bei den internen Ermittlungen nach dem Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten seien im Jahr 2006 Verbindungsdaten von etwa 20 Personen überprüft worden, sagte der neue Vorstand für Datenschutz, Manfred Balz. Fünf in die Vorfälle verwickelte Manager seien jetzt wegen der illegalen Methoden in einen „Erholungsurlaub“ geschickt worden, bis die Bonner Staatsanwaltschaft die genauen Abläufe der Fälle und die Verwicklung der betroffenen Personen geklärt hat. Beim Versuch, einen Teil der 17 Millionen gestohlenen Daten wiederzubeschaffen, hätten die Beschuldigten Methoden angewandt, die der Konzern „entschieden ablehnt“.

Der Mobilfunksparte T-Mobile wurden vor knapp zwei Jahren mehr als 17 Millionen Kundendaten entwendet. Unter den Angaben waren Rufnummern, Namen und teilweise auch Mailadressen der Kunden. Die Daten wurden kriminellen Kreisen angeboten. Zudem belastet die Spitzelaffäre das Unternehmen, weil interne Mitarbeiter Verbindungsdaten zwischen Vorständen, Aufsichtsräten und Journalisten ausgewertet haben.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern noch an, doch ein Revisionsbericht, in dem die Vorfälle aufgearbeitet werden sollen, ist fast fertig und soll in Kürze dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Unter anderem kommt dieser zu dem Ergebnis, dass es in der damaligen Organisation des Datenschutzes Zuständigkeitslücken und Überschneidungen gegeben habe, die die Arbeit des Ressorts erschwert hatten. In den abhanden gekommenen Daten finden sich zudem eine hohe Anzahl geheimer Rufnummern und Privatadressen bekannter Politiker, Minister, Ex-Bundspräsidenten, Wirtschaftsführer und Milliardäre. Balz erklärte, dass die damals eingeleiteten Maßnahmen richtig gewesen seien. Balz, der zu diesem Zeitpunkt Chefjustiziar im Unternehmen war, habe zudem auf alles reagiert, was ihm persönlich bekannt gewesen sei. Die Telekom setzte zudem einen Lenkungsausschuss namens „Fort Knox“ ein, um Sicherheitslücken im Konzern aufzuarbeiten. Der wiederum entdeckte, dass die mittlerweile beurlaubten Manager für ihre Nachforschungen Verbindungsdaten eines inländischen Mobilfunkunternehmens beschafft und auch ausgewertet haben. Bekannt wurde dies durch eine Nachfrage bei einem Beteiligten, der hierzu noch eine Datei besaß. Dem Betroffenen gestand das Unternehmen einen besonderen Schutz zu.

Balz will die Telekom in den nächsten Monaten sicherer machen. Er kündigte eine „besonders gründliche Prüfung“ des Datenschutzes bei externen Vertriebspartnern an, um künftig Missbrauchsfälle zu verhindern. Mit der Dezemberrechnung sollen Kunden der Telekom zudem ein Schreiben des Konzerns erhalten, in dem der Stand der Ermittlungen und eine Einordnung der Fälle beschrieben werden soll. Entschuldigen will sich der Konzern bei seinen Kunden nicht. „Eine Pflichtverletzung gibt es unserer Auffassung nach nicht“, sagte Balz. Dennoch könne jeder T-Mobile-Kunde seine Nummer kostenlos wechseln. Bislang haben von dieser Möglichkeit 640 Kunden Gebrauch gemacht.

Quelle: RP

 
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