Trotz Rekordgewinn: Telekom-Chef befürwortet Stellenabbau
VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 10.11.2005 - 11:44Bonn (RP). Für Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke war es keine leichte Aufgabe. Vor einer Woche verkündete der Telekom-Lenker, dass bis Ende 2008 rund 32.000 Mitarbeiter den Konzern verlassen müssen. Gestern vermeldete er für das dritte Quartal einen Rekordgewinn von 2,4 Milliarden Euro. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, beschwor Ricke die Öffentlichkeit. „Das sind die Gewinne von gestern.“
Den Beschäftigungsabbau begründete Ricke mit dem schnellen technologischen Fortschritt, der viele Jobs etwa bei der Wartung der Telefonnetze überflüssig mache. Zugleich schränkte er ein: „Entlassungen wird es nicht geben.“ Der Telekom sind ohnehin die Hände gebunden, wenn es um Beamte geht. Denen kann sie nur anbieten, in den Vorruhestand zu gehen oder eine großzügige Abfindung anzunehmen.
Intern wird geschätzt, dass bis 2008 rund 11.000 Beamte von solchen Angeboten Gebrauch machen könnten. Die Telekom denkt dabei an Programme, die den Staatsdienern im vorgezogenen Ruhestand 70 Prozent der Bezüge sichern. Mit dem Staat wäre dann zu verhandeln, in welchem Alter der Vorruhestand in die Pensionierung mündet. Die Gewerkschaft Verdi lehnt die Telekom-Pläne rundherum ab.
In den kommenden beiden Jahren will Ricke vor allem das Wachstum forcieren. So soll der Umsatz künftig jährlich um fünf Prozent zulegen. Dafür startet die Telekom ein Marketing- und Vertriebsprogramm, das sie im nächsten Jahr 1,2Milliarden Euro kostet. Das geht zu Lasten der Gewinnmarge. Das für 2006 anvisierte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird mit 20,2 bis 20,7Milliarden Euro deutlich unter der bisherigen Planzahl von 21,7Milliarden liegen. Als Gewinnwarnung will Ricke das allerdings nicht verstanden wissen.
Das gute Ergebnis des vergangenen Quartals ist ohnehin stark auf Sondereffekte zurückzuführen. Rund eine Milliarde Euro Gewinn brachten Veräußerungen ein, etwa die der restlichen Anteile am russischen Mobilfunker MTS. Aber auch der um solche Einflüsse bereinigte Konzernüberschuss stieg von 1,8 (3.Quartal 2004) auf 2,2 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres legte der bereinigte Konzernüberschuss um mehr als elf Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu.
Die Telekom profitiert dabei insbesondere vom guten Ergebnis der Mobilfunksparte. So steuert mittlerweile die amerikanische Tochter T-Mobile USA mit 940 Millionen Euro genauso viel zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei wie T-Mobile Deutschland. Der Umsatz der Gesamtsparte stieg um mehr als zehn Prozent. Die Zahl der Mobilfunk-Kunden liegt bei über 83 Millionen, in den USA sind es 20,3 Millionen (plus 1,1 Millionen), in Deutschland 28,7 Millionen (plus 530.000).
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