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Sparstrategie: Telekom-Chef braucht Erfolge

VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 14.05.2008 - 20:49

Bonn (RP). René Obermann führt Deutschlands Telefonriesen zielstrebig und setzt kontinuierlich notwendige Sparmaßnahmen und Zukäufe fort. Dennoch dümpelt der Aktienkurs, an dem er sich messen lassen wollte. Der Druck nimmt zu.

Seit dem Amtsantritt von Telekom-Chef René Obermann am 13. November 2006 setzt der Manager Schritt für Schritt seine verkündete Sparstrategie um. Dennoch kommt die T-Aktie nicht aus ihrem Kurstief. Analysten haben im Gespräch mit unserer Redaktion die Telekom-Baustellen unter die Lupe genommen.

Inland: Obermann hat strategisch bislang alles richtig gemacht. Die schmalbandigen Anschlüsse gehen zurück; deshalb versucht das Unternehmen, die Kunden über neue breitbandige Angebote bei der Telekom zu halten. Chris-Oliver Schickentanz (Dresdner Bank) kann aber nicht verstehen, warum der Konzern nicht die branchenüblichen Nettoverluste als Kennzahl ausweist. „Die Konkurrenten rechnen ebenfalls die Kundenverluste mit DSL-Neukunden gegen. Würde die Telekom das auch so machen, wären die Verluste nicht wirklich hoch.“ Sorgen bereitet Schickentanz auch die angeschlagene Geschäftskunden-Sparte T-Service: „Hier ist fraglich, ob die Kooperation mit Cognizant die versprochenen Synergien bringt und T-Systems wieder an Fahrt aufnimmt.“

Ausland: Das Amerikageschäft ist größter Umsatztreiber. Eine mögliche Übernahme des US-Netzbetreibers Sprint Nextel bewertet Frank Rothauge (Sal. Oppenheim) als riskant: „Eine Übernahme bedeutet hohe Integrationskosten, und es besteht keine Erfolgsgarantie. Eine Investition in einem Jahr wäre besser.“ Den Einstieg bei der griechischen OTE hält Rothauge für gut, da die Telekom sich einen neuen Markt erschließt. Dan Bieler, Marktforscher bei IDC, fürchtet jedoch um eine mangelnde strategische Ausrichtung gegen neue internationale Konkurrenten wie Google oder Yahoo: „Die britische BT oder Vodafone stellen sich mit neuen Angeboten viel besser auf.“ Rothauge verweist auf Chancen, sich Nischenmärkte zu erschließen: „Denkbar wären verstärktes Webhosting (Webseitenbetrieb), der Ausbau von Video-on-demand-Plattformen und die Internationalisierung des Musikportals Musicload.“ Hier stecke viel Potenzial.

Kommunikation: Trotz zeitweiser Erholung hat der Aktienkurs unter Obermann neue Tiefstände erreicht. „Seine Aussage, sich an der Kursentwicklung messen lassen zu wollen, war ungeschickt“, sagt Schickentanz. Er bemängelt auch die laienhafte Kommunikation des Festnetzgeschäftes, die zu Fehleinschätzungen bei Analysten führen und den Aktienkurs belasten. Schickentanz fordert vom Konzernchef klarere Aussagen über Ausrichtung und Pläne des Konzerns.

Dividende: Die Telekom schüttet 78 Cent je Aktie und somit 3,4 Milliarden Euro aus. Das entspricht dem Sechsfachen des Ergebnisses je Aktie 2007. „Durchaus tragbar“, urteilen Analysten. Denn der Free Cash Flow (frei verfügbare finanzielle Mittel) beträgt 6,6 Milliarden Euro. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bringt eine drei Milliarden schwere Umtauschanleihe auf Stammaktien auf den Markt und setzt so die Telekom-Privatisierung fort.


 
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