Konzern reagiert scharf: Telekom hat neue Datenaffäre
VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 06.10.2009 - 07:22Bonn (RP). Erneut kämpft die Deutsche Telekom mit den Folgen eines Datenskandals. Sie gab bekannt, dass vier Vertriebspartner Kunden trotz Verbots einfach zu Hause anrufen ließen, um in diesen Wochen auslaufende DSL-Verträge zu verlängern. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass mindestens einer der Partner die Telekom betrogen hatte, indem er für Verträge die Provisionen abrechnete, die es bei einem aufwändigen Abschluss im Laden gibt, obwohl Kunden nur angerufen wurden.
Der Bonner Konzern reagiert scharf. 1,5 Millionen Euro Vertragsstrafe müssen die vier Firmen bezahlen. Anzeige wegen Betrug erstattete der Vorstand gegen die Firma, die falsch abrechnete. Hier wurden alle Geschäftsbeziehungen beendet. Die anderen drei Unternehmen bekamen die Drohung, bei einem weiteren Regelbruch als Partner zu fliegen.
Immerhin wurden Kundendaten der Telekom an externe Call-Center weitergereicht. "An sich hätten wir die alle sofort rausschmeißen können", sagt ein Konzern-Manager unserer Redaktion, "aber dann wären die mit allen Mitarbeitern sofort pleite gegangen."
Die Skandale kamen heraus, weil die Verwandte eines Telekom-Mitarbeiters per Anruf gefragt wurde, ob sie ihren DSL-Vertrag verlängern wolle. Sie hatte aber vorher ausdrücklich erklärt, keine Anrufe von der Telekom bekommen zu wollen. Daraufhin ließ die Konzernzentrale die Vertriebsmethoden einer Reihe an Partnern durchleuchten.
Auch ein Redakteur unserer Redaktion, der in Meerbusch lebt, wurde Ende September mit einem ungewollten Anruf, belästigt. "Die redeten so schnell, dass ich anfangs nicht wusste, was die wollten," erzählt er, "Doch als die das Stichwort neuer Vertrag erwähnten, wurde ich hellhörig und widersprach."
Für die Deutsche Telekom kommt der Skandal zu einem ungünstigen Zeitpunkt: In den nächsten Monaten laufen viele hunderttausend DSL-Verträge aus, die 2007 mit großem Werbeaufwand abgeschlossen wurden. Außerdem wird die Staatsanwaltschaft Bonn wohl kurz vor Weihnachten bekanntgeben, ob sie Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel anklagt. Ihnen wird vorgeworfen, im Jahr 2005 die Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten verantwortet zu haben. Zumwinkel droht eine Haftstrafe, da er wegen seines Steuervergehens schon zwei Jahre Haft auf Bewährung bekam.
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